Die Gesundheit der Städte und Ihrer Bewohner steht in direktem Zusammenhang mit der Temperaturveränderung

© Felipe Mairowski

Forscher weisen auf die Bedeutung hin den Schwerpunkt des Stadtmanagements unter Berücksichtigung des Wohlergehens der Bevölkerung und des Umweltschutzes zu ändern.

Im Kontext einer nachhaltigen Welt müssen in den Debatten über Klima und Städte sowohl Umweltschutz als auch die Gesundheit der Stadtbewohner berücksichtigt werden, damit die Nullgrenze der CO2-Emissionen erreicht wird Beide Punkte wurden von den Diskussionsteilnehmern des Workshops “Healthy and Well-being Cities” des 9. Deutsch-Brasilianischen Dialogs über Wissenschaft, Forschung und Innovation hervorgehoben.

“Auf dieser Ebene (der Städte) ereignen sich die meisten Handlungen des Klimawandels, gleichzeitig ist er aber der am stärksten von diesem Wandel betroffene”, betonte Ligia Vizeu Barrozo, Koordinatorin des Instituts für fortgeschrittene Studien der Universität von São Paulo (IEA / USP) und Forscherin am Krankenhaus Albert Einstein. In Ihrer Präsentation ging die Wissenschaftlerin auf die Ungleichheit in Bezug auf Gesundheit und Wohlbefinden ein. Dabei legte sie die Betonung auf die Stadt São Paulo.

Laut der Koordinatorin trug die rasche und unkontrollierte Zunahme der Urbanisierung zum Wachstum von abgesonderten und gewalttätigen Städten bei. Als Beispiel nannte Barrozo den überfüllten und ineffizienten öffentlichen Nahverkehr der Hauptsstadt São Paulo, der sich je nachdem wie weit man sich vom Stadtzentrum entfernt noch verschlechtert.

Die Forscherin fügte hinzu, dass vor der Pandemie von covid-19 ungefähr 47% der Bevölkerung vor dem 70. Lebensjahr aufgrund von Herz-Kreislauf Erkrankungen und Krebs vestorben sind. “Zusätzlich zu den einzelnen Krankheiten, die das Krankheitsbild vom Coronavirus verschlimmern können, stellen auch Umweltbedingungen ein erhöhtes Risiko für die Bevölkerung dar. Dazu zählen das sozioökonomische Umfeld und die Umweltbedingungen, deren die Person ausgesetzt wird”, ergänzte sie.

Möglichkeiten der Klimaanpassung

Die Hitzewellen sind die Verbindung zwischen Klimawandel und Stadtklima, betont Andreas Matzarakis, verantwortlich für das Research Centre Human Biometeorology/German Meteorological Service. Laut Ihm muss die Realität der Hitzeeinwirkungen in Städten sowie mögliche Methoden zur Verbesserung der Bedingungen von Städtebewohnern diskutiert werden.

Es ist interessant sich auf die Wärme zu fokussieren, da sie nicht nur als Ziel für die Forschung angesehen wird, sondern angesichts der mit dem Thema verbundenen Sterblichkeit auch als gefährlich angesehen wird, fügte er hinzu. Bereits am ersten Tag der neunten Ausgabe der Veranstaltung hatte der Wissenschaftler Stefan Rahmstorf dem Publikum berichtet, dass im Jahr 2003 eine Hitzewelle in Frankreich für den Tod von 70.000 Menschen verantwortlich war. Ein Beispiel dafür, wie die Wissenschaft auf mögliche gefährliche Szenarien für die Gesundheit in Städten hinwies, war die Studie der FIFA Fussballweltmeisterschaft, die 2022 in Katar stattfand. Matzarakis erklärte, dass Forscher in einer Umfrage zum Zeitpunkt der Veranstaltung (im Sommer der nördlichen Hemisphäre) hervorhoben, dass die Temperatur und das Wärmegefühl für ausländische Besucher des Landes sehr hoch sein werde – etwa 40 Grad Celsius. Angesichts der Studie hat die FIFA den Starttermin der Veranstaltung auf November geändert, wenn die Temperaturen in der Region milder sein werden.

Der deutsche Wissenschaftler betonte in seinem Vortrag auch die Bedeutung einer waldreicheren städtischen Umgebung. “Wenn wir uns die positiven und negativen Aspekte der Bäume ansehen, haben wir viel mehr positive. Deshalb haben wir seit einiger Zeit versucht zu beobachten wie sich die Schatten im Zusammenhang von Hitzewellen auswirken”, sagte Matzarakis. Ihm zufolge kann die Bedeutung von Schatten und die Veränderung, die sie in der thermischen Empfindung der Bevölkerung verursachen, in englisch “Physiologically Equivalent Temperature” (PET), einen Unterschied von 10 bis 15 Grad erreichen.