Wie können Klimaprobleme in Großstädten gelöst werden?

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Nico Caltabiano, brasilianischer Wissenschaftler und Project Manager der Institution Klimapolis in Hamburg glaubt, dass der Dialog der beste Weg ist, um Probleme zu lösen. Am 19. November ist er Gastredner beim DWIH-FAPESP Online Talk on Cities and Climate

Trinkwassermangel in Metropolen wie São Paulo (2015) und Kapstadt (2018), Überschwemmungen, Wirbelstürme und der Anstieg des Meerwasserspiegels in Küstenstädten. Alle diese Ereignisse sind Konsequenzen des menschlichen Eingriffs in die Natur. Überall auf der Welt leiden Städte und Menschen unter den Auswirkungen des Klimawandels. Wissenschaftler betonen, dass für Schutzmaßnahmen gegen diese Auswirkungen eine globale und effektive Reaktion erforderlich ist.

„Wir müssen versuchen, Maßnahmen zur Stärkung einer Kreislaufwirtschaft zu implementieren, beispielsweise die Nutzung und Wiederverwendung lokaler Ressourcen, um Verschwendung so weit wie möglich zu vermeiden – angefangen bei Lebensmitteln bis hin zu Konsumgütern”, sagt Nico Caltabiano, Project Manager am Max-Planck-Institut für Meteorologie (MPI-M) in Hamburg. DerWissenschaftler argumentiert, dass wir die Emission von Kohlendioxid und anderen Treibhausgasen einstellen müssen, um die Auswirkungen des Klimawandels in Zukunft einzudämmen.

Der brasilianische Wissenschaftler promovierte in Ozeanographie an der Universität Southampton und ist heute Project Manager bei Klimapolis sowie beim europäischen Projekt AQ-Watch, die beide dem MPI-M angegliedert sind. Das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) finanzierte Klimapolis Laboratory, das mit neuen Ansätzen zur Entwicklung nachhaltiger Städte arbeitet, zählt auch auf die Beteiligung verschiedener brasilianischer Universitäten und Forschungseinrichtungen. AQ-Watch sucht gemeinsam mit Partnerinstitutionen in Europa, den USA, China und Chile nach weltweiten Lösungen zur Verbesserung der Luftqualität.

 

Von einem Ort in die ganze Welt

Caltabiano ist davon überzeugt, dass der Weg zur Lösung von Klimaproblemen einen intensiven Dialog zwischen öffentlichen und privaten Institutionen und Vertretern der lokalen Bevölkerung erfordert. Nach Ansicht des Wissenschaftlers können öffentliche und private Institutionen allein keine Lösungen für das nachhaltige Wachstum von Städten entwickeln. „Die Ortskenntnis der Bevölkerung ist der Schlüssel zu nachhaltigen Lösungen, und öffentliche Einrichtungen sind verpflichtet, der lokalen Bevölkerung zuzuhören und sie bei ihren Entscheidungen einzubeziehen”, betont er.

Die Arbeit von Klimapolis (http://klimapolis.net/) folgt diesem Prinzip und vereint die Zivilgesellschaft sowie öffentliche und private Einrichtungen bei der Lösung von Problemen. Der Fachmann für Ozeanographie nennt als Beispiel eine gemeinsame Initiative von Klimapolis und der Universität São Judas, die in Itaim Paulista, einem Stadtteil der Metropole São Paulo durchgeführt wird.

Itaim Paulista ist der größte Stadtteil im Osten von São Paulo, der in seiner überwiegenden Mehrheit von Migranten aus dem Nordosten Brasiliens bewohnt wird und auf ungeordnete Weise gewachsen ist. Weit entfernt vom Stadtzentrum leidet die Region unter ihrer schwachen Infrastruktur, insbesondere im Hinblick auf den Ablauf des Regenwassers. Die Region wird von drei Bächen durchzogen, die in den Fluss Tietê münden (Itaim, Tijuco Preto und Três Pontes). Wenn es in São Paulo intensiv regnet, gehören Nachrichten von Überschwemmungen in diesem Stadtteil zur Tagesordnung.

„Mit dieser Arbeit wollen wir mehr über die Probleme in dieser Region erfahren, besonders, was die Besiedlung der Bachufer, die Auswirkungen der Überschwemmungen und die Probleme im Zusammenhang mit der Luftverschmutzung betrifft”, erklärt der Wissenschaftler. Das Hauptziel, so Caltabiano, bestehe darin, mit der Stadtteilverwaltung von Itaim Paulista zusammenzuarbeiten und Lösungen zur Verbesserung der Lebensqualität der Bevölkerung in dieser Region vorzuschlagen.

 

DWIH-FAPESP Online Talk on Cities and Climate

Der Project Manager des MPI-M wird dieses und andere Beispiele der wissenschaftlichen Zusammenarbeit mit globalen Organisationen in seinem Vortrag „Klimapolis: Eine transdisziplinäre Vorgehensweise der Wissenschaft im Hinblick auf die Politik in Ballungsräumen” während des Seminars DWIH-FAPESP Online Talk on Cities and Climate vorstellen. Die Veranstaltung, die vom Deutschen Wissenschafts- und Innovationshaus (DWIH) São Paulo und von der Stiftung zur Forschungsförderung des Bundeslandes São Paulo (FAPESP) organisiert wird, findet am 19. November von 10 bis 11:45 Uhr statt.

Das in englischer Sprache veranstaltete Seminar – mit Simultanübersetzung ins Portugiesische – bringt Wissenschaftler aus Brasilien und Deutschland zusammen, um Zusammenhänge zwischen Klimawandel und Großstädten aus sozialer, ökologischer und wirtschaftlicher Sicht zu diskutieren. Die Online-Debatte ist auch eine Art Vorschau auf die neunte Ausgabe des Deutsch-Brasilianischen Dialogs über Wissenschaft, Forschung und Innovation, der jährlich von den beiden Institutionen veranstaltet wird, aber aufgrund der Covid-19-Pandemie auf Mai 2021 verschoben wurde.

Schreiben Sie sich hier für den DWIH-FAPESP Online Talk on Cities and Climate ein. Weitere Informationen zur Veranstaltung finden Sie auf der Veranstaltungsseite.