Deutsch-brasilianische Kooperationsprojekte haben sich während der ersten zehn Jahre des DWIH verdoppelt

© Felipe Mairowski

Im ersten Jahrzehnt des Bestehens des Deutschen Wissenschafts- und Innovationshauses (DWIH) São Paulo, das am 22. Februar gefeiert wurde, hat sich die Zahl der bilateralen Abkommen zwischen Hochschulinstitutionen beider Länder nahezu verdoppelt, während die Anzahl der gemeinsamen wissenschaftlichen Veröffentlichungen von deutschen und brasilianischen Forschern im selben Zeitraum sogar um weit mehr als 100% anstieg.

Am Dienstag, den 22. 02. trafen sich Vertreter aus Wissenschaft, Bildung, Industrie und dem deutsch-brasilianischen Innovations-Ökosystem, um das zehnjährige Bestehen des Deutschen Wissenschafts- und Innovationshauses (DWIH) São Paulo zu feiern. Unter Einhaltung der Covid-19-Gesundheitsrichtlinien (alle Vertreter wiesen einen Covid-Test vor) wurde die Zeremonie, die in den Räumlichkeiten des Zentrums stattfand, als eine Art Zeittunnel veranstaltet, wobei an die relevanten Punkte der Aktivitäten des DWIH São Paulo in der bilateralen Zusammenarbeit des letzten Jahrzehnts erinnert wurde.

„Nach Monaten der Isolation haben wir uns zum ersten Mal wieder hier versammelt, um etwas Großartiges zu feiern: die zehnjährige Geschichte des Deutschen Wissenschafts- und Innovationshauses in São Paulo”, freute sich der deutsche Konsul in São Paulo, Thomas Schmitt.

Die 2009 vom Auswärtigen Amt ins Leben gerufenen DWIHs in São Paulo, New York, Tokio, Neu-Delhi und Moskau sowie die kürzlich in São Francisco eröffnete Einrichtung haben zum Ziel, die Visibilität Deutschlands als „Land der Ideen”, als wichtiges Wissenschafts- und Technologiezentrum zu verstärken. Das erste Implementierungsbüro des DWIH São Paulo wurde in der deutsch-brasilianischen Industrie und Handelskammer São Paulo (AHK São Paulo) untergebracht und nahm seine Tätigkeit im Jahr 2009 auf. Im Jahr 2012 wurden die eigenen Räumlichkeiten eingeweiht, und der Deutsche Akademische Austauschdienst (DAAD) übernahm die Leitung des DWIH.

große Interesse Deutschlands an der brasilianischen Forschung und Wissenschaft zeigt”, betonte Dr. Jochen Hellmann, derzeitiger Leiter des DAAD in Brasilien und des DWIH São Paulo. Hellmann bedankte sich in seiner Ansprache auch für die Unterstützung der AHK São Paulo, des Bundesministeriums für Auswärtige Beziehungen, der 27 deutschen Unterstützerinstitutionen sowie der brasilianischen Partner, ohne die es nicht möglich gewesen wäre, neue Brücken zwischen Brasilien und Deutschland zu schlagen und bereits bestehende zu festigen.

Deutsch-brasilianische wissenschaftliche Innovation in Zahlen

Das DWIH São Paulo engagiert sich über Veranstaltungen, Dialoge und Veröffentlichungen für die  Wissenschaft als Lösungsgrundlage für die großen Herausforderungen des 21. Jahrhunderts.

„Es waren zehn Jahre voller Ideen, Initiativen und erfolgreicher Arbeit. Ihr Einsatz hat einen großen Fortschritt im wissenschaftlichen Austausch zwischen Brasilien und Deutschland ermöglicht”, hob der deutsche Konsul in São Paulo hervor.

Schmitt erinnerte daran, dass im letzten Jahrzehnt viele Partnerschaften zwischen brasilianischen und deutschen Universitäten formalisiert worden seien. „Die Projekte und Initiativen, die Sie im Laufe dieser Jahre gestartet haben, haben Tausende von Studenten, Wissenschaftlern und Professoren erreicht und dabei Menschen und akademische Einrichtungen auf beiden Seiten des Atlantiks zusammengebracht”, betonte er.

Der Koordinator des DWIH São Paulo, Marcio Weichert, nannte in seiner Jubiläumsrede zehn wichtige Punkte des DWIH São Paulo auf seinem bisherigen Weg:

  • Deutschland-Brasilien-Jahr 2013-2014 mit mehr als 140 Projekten – die Hälfte davon mit Fördergeldern des DWIH São Paulo;
  • Eine Vielfalt wissenschaftlicher Programme; insgesamt mehr als 190 Veranstaltungen mit Schwerpunkt auf relevanten Themen für Gegenwart und Zukunft der Gesellschaft;
  • Adaption des DWIH São Paulo an Onlinearbeit und -veranstaltungen während der Pandemie;
  • Verlagerung des Kommunikationsschwerpunkts von Druckerzeugnissen und dreisprachiger Webseite (mehr als 600.000 Zugriffe in 10 Jahren) auf das Universum der digitalen sozialen Netzwerke;
  • Partnerschaften zwischen dem DWIH und brasilianischen Institutionen, wie die Brasilianische Gesellschaft für den Fortschritt der Wissenschaft (SPBC) und die Forschungsförderungsstiftung des Bundeslandes São Paulo (Fapesp); Partnerschaften mit anderen Institutionen Deutschlands, wie AHK São Paulo und Falling Walls Foundation, sowie der Europäischen Union, wie das Netzwerk Euraxess;
  • Ausbau der bilateralen akademisch-wissenschaftlichen Zusammenarbeit – zwischen 2011 und 2022 hat sich die Zahl der offiziellen Kooperationen zwischen Hochschuleinrichtungen beider Länder von 347 auf 668 nahezu verdoppelt, während die Anzahl gemeinsamer wissenschaftlicher Veröffentlichungen von deutschen und brasilianischen Forschern im gleichen Zeitraum von 2.222 auf 5.343, also um weit mehr als 100% anstieg;
  • Referenz als Schnittstelle Brasilien-Deutschland – in den letzten Jahren fanden mehr als 450 Besuche in locu von Delegationen mit Wissenschafts- und Innovationsvertretern aus Brasilien, Deutschland und anderen Ländern im DWIH São Paulo statt;
  • Institutionalisierung des DWIH-Netzwerks im Jahr 2017 mit der Übernahme von Best Practices aus dem DWIH São Paulo, wie kollektive Arbeit und bottom-up mit den Unterstützern;­
  • Kooperatives Umfeld – zwischen den Mitarbeitern gibt es viele Synergien;
  • Eine ständig wachsende Zahl deutscher Unterstützerorganisationen des DWIH São Paulo, insgesamt sind es 27 – neu hinzugekommen sind die Universität Heidelberg und die Humboldt-Universität.

Das Deutsche Wissenschafts- und Innovationshaus (DWIH) São Paulo ist innerhalb des DWIH-Netzwerks die Institution mit den meisten Kooperationspartnern. Dieser Erfolg ist zum Teil dem kooperativen Umfeld zu verdanken, das sich aus den im DWIH São Paulo vertretenen deutschen Förderern und Hochschulen zusammensetzt.

„Das Rückgrat des DWIH sind die wissenschaftlichen Einrichtungen, die sich seit langem strategisch für die deutsch-brasilianischen Beziehungen engagieren und seit zehn Jahren mit vereinten Kräften arbeiten”, betonte Christina Peters, Leiterin des Lateinamerikabüros der Deutschen Forschungsförderungsgesellschaft (DFG). Im Namen der anderen Unterstützer des Zentrums hob Peters hervor, das DWIH São Paulo sei weit mehr als nur eine „Bürostruktur”. Für sie ist das Zentrum eine Vernetzungsplattform für deutsche Wissenschafts- und Innovationseinrichtungen, die in Brasilien aktiv sind.

„In dieser Zeit hat sich gezeigt, dass diese Struktur Früchte getragen hat und weiterhin trägt. Es macht einen Unterschied, vor Ort zu sein, Vertrauensverhältnisse zu schaffen und Kontakte in beide Richtungen ermöglichen zu können, auf unbürokratisch Weise Partnerschaften innerhalb des deutschen Wissenschaftssystems voranzutreiben und andererseits in Deutschland für Brasilien als Standort der Spitzenforschung und Innovation werben zu können”, beschreibt Peters das Arbeitsumfeld.

Der Leiterin der DFG beendete den Festakt mit der Bekräftigung, die Kooperationspartner müssten eine gemeinsame Vision entwickeln, wie die Optimierung der Zusammenarbeit des DWIH mit den brasilianischen Partnern in den nächsten zehn Jahren noch verbessert werden kann, selbst unter dynamischen und oft auch komplexen Bedingungen.