Natürliche Ressourcen positionieren Brasilien als Schlüsselland in der Debatte um Biomasse-Verwertung

© DWIH São Paulo

Der Workshop „Biorefineries Powered by Renewable Energies – Green Catalysis as Enabler of New Valorisation Pathways“ brachte Anfang Dezember in São Paulo deutsche und brasilianische Experten aus Wissenschaft und Industrie zusammen. Organisiert vom Fraunhofer-Institut für Grenzflächen- und Bioverfahrenstechnik (IGB), dem Karlsruher Institut für Technologie (KIT), dem brasilianischen Institut für Technologische Forschung (IPT) und dem Deutschen Wissenschafts- und Innovationshaus (DWIH) São Paulo, widmete sich das Treffen einer zentralen Herausforderung der nachhaltigen Energieversorgung: der effizienten Wertschöpfung aus verschiedenen Biomasse-Arten. Brasiliens natürlicher Reichtum macht das Land dabei zu einem Schlüsselfaktor.

„Brasilien ist ein hochattraktiver Investitionsstandort, da es über immense Mengen an Biomasse und Energie verfügt. Deutschland hingegen bringt viel Spitzentechnologie ein. Als Brasilianerin, die in Deutschland arbeitet, ist es faszinierend, diesen Ressourcenreichtum auf der einen und die technologische Leistungsfähigkeit auf der anderen Seite zu sehen. Wer vor Ort war, hat das enorme Synergiepotenzial erkannt. Wir können gemeinsam viel bewegen“, betonte Luciana Vieira vom Fraunhofer IGB, Mit-Organisatorin des Events.

Manuel Steidle, Leiter des Fraunhofer Liaison Office Brazil, unterstrich die brasilianische Führungsrolle in diesem Feld. „Brasilien tendiert dazu, eine entscheidende Rolle beim Thema erneuerbare Energien und Biomasse einzunehmen. Ein Aspekt, der in einigen Vorträgen besonders hervorgehoben wurde, ist der vernünftige Umgang mit natürlichen Ressourcen. Wir sahen diverse Beispiele für Kulturen, wie etwa die Macaúba, die jenseits der chemischen Prozesse das Potenzial hat, zu Flugkraftstoff verarbeitet zu werden. Es war wertvoll, nicht nur an High-Tech zu denken, sondern auch an andere maßgebliche Treiber im ökologischen und sozialen Bereich.“

Nach der Eröffnung am ersten Tag, moderiert von der Programmleiterin des DWIH, Anja Grecko Lorenz, standen Fachsessions auf dem Programm. Diskutiert wurden die Nutzung biogener Rohstoffe, die thermochemische Umwandlung von Reststoffen sowie innovative Ansätze zur Biomasse-Veredelung. Der zweite Tag, der in den Räumlichkeiten des Instituts für Technologische Forschung (IPT) stattfand, fokussierte sich auf die Produktion von synthetischen Kraftstoffen und Chemikalien aus CO₂ sowie auf neue Technologien zur Transformation von Kohlendioxid.

Den Abschluss bildete eine Session zu Kooperationschancen in Brasilien und Deutschland. Vertreten waren neben dem DWIH São Paulo auch die Stiftung zur Forschungsförderung des Staates São Paulo (FAPESP), die Brasilianische Agentur für industrielle Forschung und Innovation (EMBRAPII) und der Deutsche Akademische Austauschdienst (DAAD) Brasilien. Ergänzend stellten die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG), die Technische Universität München (TUM) und die Universitätsallianz Ruhr (UA Ruhr) ihre Förder- und Forschungsmöglichkeiten vor.

Kollaborative Atmosphäre

Vieira hob die partnerschaftliche Stimmung der Veranstaltung hervor, die Raum für neue Allianzen schuf. „Wir haben viele Forschende persönlich getroffen, deren Arbeiten wir bislang nur aus der Literatur kannten. Nun gilt es, diese Beziehungen zu festigen und Vertrauen aufzubauen, um aus Ideen konkrete Projekte zu formen. Dafür brauchen wir Initiativen, bei denen Brasilien und Deutschland auf Augenhöhe agieren können – genau wie bei diesem Treffen“, erklärte sie.

Für Steidle stellt das Event eine „gepflanzte Saat“ für künftige deutsch-brasilianische Kooperationen dar. „Dies war ein Workshop von hohem strategischem Wert. Wir hatten das Glück, das Beste aus beiden Ländern in die Debatte einzubringen und in einem Umfeld wie dem des IPT wertvolle Verbindungen zu knüpfen. Ich bin sicher, dass sich diese Kontakte ausgehend von diesen Diskussionen vervielfachen werden“, schloss er.

Texto: Rafael Targino