Science for Society
Wie gelingt es, Wissenschaft als unverzichtbare Ressource für informiertes Handeln zu stärken und noch enger an den tatsächlichen Bedürfnissen der Gesellschaft auszurichten? Dieser Frage widmet sich das globale Netzwerk der Deutschen Wissenschafts- und Innovationshäuser (DWIH) im Rahmen seines Schwerpunktthemas 2026: Science for Society.
Wissenschaft benötigt Offenheit. Nur unvoreingenommen und frei von Zwängen kann sie ihr volles Potenzial als Innovationsmotor entfalten. Gleichzeitig steht sie in der Verantwortung gegenüber der Gesellschaft. Idealerweise findet sie eben nicht im sogenannten „Elfenbeinturm“ statt, sondern richtet sich nach den konkreten Bedürfnissen einer globalen Gemeinschaft, die vor immer komplexeren Aufgaben steht und Entscheidungen möglichst auf Basis fundierter Erkenntnisse treffen sollte. Damit dies gelingt, ist es wichtig, ihre Zielgruppe noch stärker als bisher in den Blick zu nehmen. Die großen Fragen unserer Zeit sind nicht nur „in“ der und „für“ die Gesellschaft zu beantworten, sondern vor allem „mit“ ihr. Das gelingt nur dann, wenn Forschung partizipativer wird.
Eine entscheidende Rolle spielt hierbei die internationale Vernetzung. Wissenschaft ist eine globale Teamleistung, die massiv von multikulturellen und multiperspektivischen Rahmenbedingungen profitiert. Mit seiner breiten Expertise und weltweiten Präsenz ist das Netzwerk der Deutschen Wissenschafts- und Innovationshäuser einerseits Ausdruck der aktuellen, weltumspannenden Forschungsrealität und gleichzeitig eine wichtige Plattform, um dringend notwendige internationale Kooperationen auch in Zeiten herausfordernder geopolitischer Verschiebungen aufrechtzuerhalten.
Wissenschaft im Dienst der Gesellschaft
Das DWIH-Netzwerk verbindet lokale Expertise mit globalem Austausch. Mit einem vielfältigen Veranstaltungsprogramm und interdisziplinären Kooperationen leistet es einen wichtigen Beitrag zur Frage, wie Wissenschaft noch deutlicher als bisher an gesellschaftsrelevanten Fragestellungen ausgerichtet werden kann. Dabei spielen die Themen Wissenschaftskommunikation ebenso eine Rolle wie der Blick auf lokale Wissenssysteme sowie die Gestaltung partizipativer Forschung.
Weiterführende Informationen zur Arbeit des Netzwerks und zum Schwerpunktthema 2026 finden Sie auf der Website des DWIH-Netzwerks.
Brasilien verfügt über exzellente Hochschulen und starke Forschung, insbesondere in den Bereichen Gesundheit, Umwelt, Landwirtschaft und Klima – steht aber zugleich vor erheblichen sozialen und ökologischen Herausforderungen. Einerseits gewinnt die Frage an Bedeutung, wie wissenschaftliche Kapazitäten zur Bearbeitung diverser Herausforderungen – von Armut, Ungleichheit und Gesundheitsfragen bis zu Klimarisiken und Biodiversitätsverlust – beitragen können. Andererseits sucht man Strategien, um dem zunehmenden Vertrauensverlust in die Wissenschaft entgegenzuwirken, der auch in der brasilianischen Gesellschaft zu spüren ist. Fake News und Desinformation in digitalen Räumen erschweren den Zugang zu gesicherten Erkenntnissen.
Hier spielt gute Wissenschaftskommunikation eine Schlüsselrolle, die in Brasilien bereits von vielen Institutionen erfolgreich vorangetrieben wird. Die Sociedade Brasileira para o Progresso da Ciência (SBPC) etwa formuliert als Kernauftrag nicht nur die Förderung von Wissenschaft und Bildung, sondern explizit auch die Verbreitung wissenschaftlichen Wissens und die Förderung der Bürgerbeteiligung. Die Jahreskonferenzen der SBPC, an denen auch das DWIH São Paulo beteiligt ist, adressieren stets die allgemeine Öffentlichkeit, darunter auch Kinder und Jugendliche.
Förderpolitik und Innovation
Im Bereich Wissenstransfer und Innovation hat Brasilien seine Politik und Förderinstrumente in jüngerer Zeit systematischer ausgebaut. Vorreiterprogramme wie „Pesquisa Inovativa em Pequenas Empresas“ (PIPE) der Forschungsförderstiftung des Bundesstaates São Paulo fördern die Umsetzung von Forschungsergebnissen in Produkte, Dienstleistungen und öffentliche Politik, während Open-Science-Anforderungen den Zugang zu Daten und Publikationen systematisch verbessern. Parallel haben sich in mehreren Regionen dynamische Innovationscluster entwickelt, darunter Porto Alegre, Recife und der Großraum São Paulo, die erfolgreich in Bereichen wie Biotechnologie, Gesundheit, Landwirtschaft oder sozialer Innovation agieren.
Für das DWIH São Paulo ergibt sich daraus ein breites Spektrum an Anknüpfungspunkten für 2026: der Ausbau gemeinsamer Formate der Wissenschaftskommunikation, der Austausch von Best Practices, die stärkere internationale Vernetzung von Start-up-Ökosystemen sowie strukturierte Dialoge zwischen Wissenschaft, Zivilgesellschaft und Wirtschaft. Damit möchte das DWIH dazu beitragen, wissenschaftliche Erkenntnisse sichtbarer zu machen, Innovationen mit gesellschaftlicher Wirkung zu fördern und den Austausch zwischen Deutschland und Brasilien entlang gemeinsamer globaler Herausforderungen weiter zu vertiefen.