Zuhören und Dialog: Panel in Belém diskutiert, wie Kommunikation Wissenschaft und Gesellschaft einander näherbringen kann
© DWIH São Paulo
Satellitenbilder, gemeinsam gezeichnete Karten, Bootsfahrten ins Feld und ein Jahr Arbeit: Auf diese Weise verdreifachte eine Fischereigemeinschaft in einem Mündungsgebiet in Pará ihr Einkommen aus dem Krabbenverkauf – durch einen Prozess des gegenseitigen Zuhörens zwischen Wissenschaft und den Menschen im Territorium, der lokales und akademisches Wissen vereinte. Der Fall, über den Prof. Dr. Marcus Emanuel Barroncas Fernandes von der Bundesuniversität von Pará (UFPA) berichtete, veranschaulichte in der Praxis, was auf dem Panel zur Wissenschaftskommunikation beim 12. Deutsch-Brasilianischen Symposium zur Nachhaltigen Entwicklung in Belém diskutiert wurde: Wie lässt sich Wissenschaftskommunikation effektiv gestalten? Wie kann sie in Regionen abseits der großen Zentren entwickelt werden? Und vor allem: Wie erzielt diese Kommunikation Wirkung?
„Das Problem ist nicht nur, wie man der Gesellschaft Wissenschaft vermittelt, sondern auch, wie die Wissenschaft der Gesellschaft zuhört“, sagte Fernandes. „Effektive Kommunikation ist keine bloße Informationsvermittlung, sondern ein Dialog. Wissenschaftliches Wissen erreicht die Gesellschaft oft nicht, während das Wissen der Gesellschaft selten in die Wissenschaft durchdringt.“
Die von Fernandes geschilderte Initiative ist ein praktisches Beispiel dafür, dass Wissenschaftskommunikation weit über das „Übersetzen“ von akademischem Fachjargon hinausgeht. Als der Forscher feststellte, dass der verfrühte Krabbenfang nicht nur dem Ökosystem, sondern auch dem Einkommen der Gemeinschaft schadete, setzte er auf partizipative Kommunikation und aktives Zuhören. Durch diese Vermittlung von Erkenntnissen aus der Wissenschaft konnten Krustentiere größer heranwachsen und folglich auf dem Markt höhere Preise erzielten. Die Kommunikation ging dabei über die Grenzen der Mangrovenwälder hinaus und führte sogar zu einem Podcast, „Vozes do Mangue“ (Stimmen der Mangrove), der direkt in den Mangroven und mit Bootsgeräuschen im Hintergrund aufgenommen wurde. Dies war ein Weg, Wissenschaftskommunikation zugänglicher zu machen. „Das ist meine Art, in die Häuser der Menschen zu gelangen“, erklärte er.
Dieses Bedürfnis nach Verbundenheit entspricht der Vision von Prof. Dr. Fábio Castro vom Zentrum für Höhere Amazonasstudien (NAEA/UFPA), der die Debatte moderierte. Er betonte, dass der Informationsaustausch nicht vom sozialen Kontext der Empfänger entkoppelt werden dürfe. „Je nach Zielgruppe müssen wir auf eine ganz spezifische Art und Weise kommunizieren, um zu interagieren und unser Gegenüber zu respektieren“, sagte er. Bei seinen Überlegungen zur Schwierigkeit, in der heutigen Zeit echte Dialoge zu etablieren, wies der Forscher darauf hin, dass fachliche Expertise allein nicht ausreicht. „Ich kann Kommunikation nicht verstehen, ohne die Kultur zu verstehen, in der sie stattfindet“, argumentierte er. Für ihn liegt der Schlüssel zum Aufbau von Verbindungen in der Fähigkeit, sich auf die Sensibilität des Gesprächspartners einzustellen. „Es braucht mehr als nur gut zu kommunizieren. Man muss affektiv kommunizieren“, so Castro.
Die Bemühungen, Forschung in die Praxis umzusetzen und diese Bindungen aufzubauen, stoßen jedoch oft auf einen strukturellen Engpass: Wer ist dafür verantwortlich, diese Brücke zur Gesellschaft zu schlagen? Fabíola Gerbase, stellvertretende Direktorin und Kommunikationsleiterin des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD) Brasilien, veranschaulichte die Unterschiede zwischen der wissenschaftlichen Fachkommunikation, die sich an Fachkreise – also andere Forschende – richtet, beispielsweise in Form von wissenschaftlichen Artikeln; der Wissenschaftsvermittlung, die darauf abzielt, wissenschaftliche Erkenntnisse in die Gesellschaft zu tragen; und dem Wissenschaftsjournalismus, der von spezialisierten Journalistinnen und Journalisten produziert wird. Für Gerbase ist es von grundlegender Bedeutung, dass Forschende ihre Arbeit dem Laienpublikum präsentieren können und dafür entsprechend geschult werden. Sie dürfen mit dieser Aufgabe jedoch nicht alleingelassen werden: Es sei wichtig, dass Wissenschaftsvermittlung von den Institutionen als Priorität angesehen werde und dass sie auf dafür zuständige Teams zurückgreifen könne.
„Für die Forschenden besteht die Herausforderung darin, das Gleichgewicht zwischen der Vermittlung von Glaubwürdigkeit und einer zugänglichen Ausdrucksweise zu finden – mit einer Sprache, die das Interesse der Menschen weckt. Wenn Forschende in der Lage sind, auf Augenhöhe zu kommunizieren, schaffen sie eine Position, die nicht mehr hierarchisch ist, sondern auf Glaubwürdigkeit beruht, bei der die Menschen an die Botschaft glauben und ihr vertrauen. Eine weitere Herausforderung ist natürlich die Arbeitsüberlastung. Wissenschaftsvermittlung ist eine eigenständige Arbeit und erfordert Qualifizierung, Zeit und Struktur“, argumentierte Gerbase.
Zudem müsse auch die Kommunikation innerhalb der akademischen Welt kritisch betrachtet und darauf geachtet werden, dass sie lokale Besonderheiten respektiere. Für Dr. Esteban Morera Aparício, akademischer Koordinator des Interdisciplinary Centre for Global South Studies der Universität Tübingen, stößt die Wissenschaftskommunikation auf eine geopolitische Asymmetrie. Mit dem „Zwang“, auf Englisch zu publizieren, um internationale Relevanz zu erreichen, bestehe die Gefahr, die wissenschaftliche Produktion zu homogenisieren und Ideen aus dem Globalen Süden unsichtbar zu machen.
Dr. Aparício erinnerte daran, dass Sprache nicht nur ein zusätzliches Vermittlungswerkzeug sei, sondern ein untrennbarer Bestandteil des Denk- und Forschungsprozesses. „Die neuen Epistemologien, diese neuen Formen der Wissensgenerierung, die indigene Gemeinschaften entwickeln, kollidieren oft mit der Idee der Übersetzung. Diese ist letztlich immer eine Form der Vereinfachung sehr komplexer Gedanken“, kritisierte er. „Viele der Konzepte, die in Lateinamerika entwickelt wurden, bleiben so lange unsichtbar, bis sie auf Englisch verfasst werden. Es ist wie eine neue Art der Entdeckung Amerikas. Das heißt: Ich existiere nur in dem Maße, in dem du mich siehst.“
Symposium
Das 12. Deutsch-Brasilianische Symposium zur Nachhaltigen Entwicklung versammelte vom 15. bis 19. Juni in der Hauptstadt des Bundesstaates Pará rund 120 Teilnehmerinnen und Teilnehmer, um darüber zu reflektieren, wie Wissenschaft die Bedürfnisse der lokalen Bevölkerung in politische Maßnahmen zur nachhaltigen Entwicklung einbeziehen kann. Die Veranstaltung wurde vom NAEA/UFPA ausgerichtet und vom Brasilien- und Lateinamerika-Zentrum Baden-Württemberg der Universität Tübingen, dem Deutschen Wissenschafts- und Innovationshaus (DWIH) São Paulo, der Leuphana Universität Lüneburg und der Universität Hohenheim mitorganisiert.
Text: Rafael Targino