Startups Connected 2026: Challenge des DWIH São Paulo sucht KI-Lösungen mit Fokus auf Nachhaltigkeit
© AHK São Paulo
Wissenschaftsbasierte Start-ups aus Deutschland können sich bis zum 31. Juli für die Challenge des Deutschen Wissenschafts- und Innovationshauses (DWIH) São Paulo im Rahmen des Programms Startups Connected (PSC) 2026 bewerben. Das diesjährige Thema lautet „Artificial Intelligence for Sustainability“. Gesucht werden innovative Lösungen mit dem Einsatz von Künstlicher Intelligenz, die auf Herausforderungen im Bereich Nachhaltigkeit reagieren und messbare, langfristige Auswirkungen für die Gesellschaft generieren können.
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Das Programm wird von der Deutsch-Brasilianischen Industrie- und Handelskammer (AHK) São Paulo durchgeführt und umfasst jährlich eine vom DWIH São Paulo geförderte Challenge. In diesem Jahr können Bewerber-Start-ups Lösungen in einem der folgenden Bereiche anbieten: Klimawandel und Dekarbonisierung, erneuerbare Energien und Smart Grids, Biodiversität und Umweltmonitoring, Kreislaufwirtschaft, nachhaltige Landwirtschaft und Bioökonomie, vertrauenswürdige KI und Data Governance sowie KI für gesellschaftlichen Impact.
An dem Wettbewerb können nur in Deutschland ansässige Start-ups teilnehmen, die einen Markteintritt in Brasilien planen. Das Gewinner-Start-up erhält eine einjährige Mitgliedschaft bei der AHK São Paulo, die die Teilnahme an exklusiven Events, Networking-Möglichkeiten und die Gelegenheit zu einem Pitch über das innovative Projekt auf dem Deutsch-Brasilianischen Innovations- und Nachhaltigkeitskongress in São Paulo umfasst. Darüber hinaus erhält das Start-up Unterstützung bei der Identifizierung potenzieller Partner und der Vermittlung von Kontakten im Land.
Das Gewinner-Start-up profitiert zudem von einer einwöchigen Roadshow in Brasilien (Flug und Unterkunft inklusive), um Unternehmen und potenzielle Partner kennenzulernen, die gemeinsam von den Organisatoren und dem Start-up ausgewählt werden. Die vom DWIH São Paulo finanzierte Reise ist vorläufig für Ende September geplant (Änderungen nach Absprache mit den Organisatoren vorbehalten).
Die Vorauswahl der Finalisten findet zwischen dem 3. und 14. August statt. Die ausgewählten Start-ups werden voraussichtlich am 25. August in einem Online-Pitch vor einer Expertenjury antreten; die Entscheidung fällt am selben Tag. Die Bewertung der Kandidaten erfolgt durch eine gemischte Jury aus brasilianischen und deutschen Akademikern und Unternehmern. Zu den Bewertungskriterien zählen der Innovationsgrad der Lösung und ihr Impact (Reichweite und Intensität), das Potenzial für den brasilianischen Markt, Vorkenntnisse über den Zielmarkt sowie das Profil der Start-up-Führungskräfte: Start-ups, deren Gründer Forschende sind, die noch akademisch tätig sind oder vor Kurzem eine wissenschaftliche Einrichtung verlassen haben, werden bevorzugt.
Gewinner früherer Ausgaben
Im vergangenen Jahr gewann Softletics die Challenge „Global Health“, nachdem es die Jury durch das Kosten-Nutzen-Verhältnis eines Projekts für Prothesen beeindruckt hatte, die online bestellt und individuell angepasst werden können. Cara Ammann und Lisa-Marie Frühauf, die Gründerinnen des Unternehmens, reisten nach Brasilien und kehrten mit neuen Strategien nach Deutschland zurück, nachdem sie potenzielle Kunden und Zulieferer getroffen hatten.
Im Jahr 2024 war das Start-up paged.ai der Gewinner, das sich in der Challenge „Artificial Intelligence: Spotlight on People and Society“ gegen die Konkurrenz durchsetzte. Das Projekt des Computational Neuroscientists Denis Tuzsus und der Kognitionswissenschaftlerin Dana Pietralla – ein System, das es Nutzern ermöglicht, das Suchtpotenzial von Inhalten in sozialen Netzwerken zu erkennen – nutzt Künstliche Intelligenz, um das Suchtpotenzial eines Videos oder Social-Media-Beitrags zu bestimmen.
Bei der Ausgabe 2023 ging das Start-up Colipi als Gewinner der Challenge „Resilient Society“ hervor, die nach innovativen Lösungen suchte, um zur Resilienz der brasilianischen Gesellschaft beizutragen. Die von Colipi – einem Spin-off der Technischen Universität Hamburg (TU Hamburg) – präsentierte Lösung besteht in der Produktion von Biomasse und anderen wertvollen Komponenten aus einem Gasfermentationsprozess. Dieser nutzt die Fähigkeit wasserstoffoxidierender Bakterien (sogenannte Knallgasbakterien), Kohlendioxid zu binden. So wird das gebundene Kohlendioxid zur alleinigen Kohlenstoff- und sauberen Energiequelle, um beispielsweise grünen Wasserstoff zu erzeugen.
2022 nahm RITTEC an der Challenge „Innovation for Sustainability“ teil und gewann mit einem Projekt zum PET-Recycling von opaken oder mehrschichtigen textilen Polyesterprodukten, die zuvor nicht in den Kreislauf zurückgeführt werden konnten.
Im Jahr davor stand die Kategorie auch für brasilianische Start-ups offen. Das Healthtech-Unternehmen Hilab gewann die Challenge „A Healthier Life – Solutions for People, Society and the Environment“. Das Start-up entwickelte ein internetfähiges Gerät, das Blut- oder Nasensekretproben analysieren kann, die von medizinischem Fachpersonal entnommen wurden.
2020 hieß die Challenge des DWIH São Paulo im PSC „Brasil Sustentável“ (Nachhaltiges Brasilien). In jenem Jahr gewann das deutsche Start-up PipePredict, ein Spin-off der Technischen Universität Darmstadt (TU Darmstadt). Das Unternehmen entwickelte eine digitale Technologie zur virtuellen vorausschauenden Wartung, auch unter Verwendung von Digital Twins, um Lecks in Rohrleitungen – sei es für Wasser, Abwasser, Gas, Öl oder andere Substanzen – in Echtzeit zu überwachen und zu orten.
Bereits 2019 wurde in der Kategorie „Deutschland“ das deutsche Start-up re:edu, ein Spin-off des Instituts für Geoinformatik der Universität Münster, ausgewählt. Das im März 2018 gegründete Unternehmen re:edu überzeugte in der Kategorie durch die Entwicklung von Konzepten, Produkten (Soft- und Hardware) und Workshops zu Themen wie digitale Bildung, Citizen Science, Open Source/Open Data und Umweltmonitoring.
Text: Rafael Targino