Science for Society: Projekte für 2026 fokussieren auf Wissenschaftskommunikation und wissenschaftsbasierte Innovation

© DC Studio / Freepik

Die fünf Projekte der Unterstützer des Deutschen Wissenschafts- und Innovationshauses (DWIH) São Paulo, die für die Bezuschussung im Jahr 2026 ausgewählt wurden, beleuchten das Schwerpunktthema des globalen DWIH-Netzwerks – Science for Society – aus verschiedenen Perspektiven. Passend zur diesjährigen Ausschreibung des DWIH São Paulo stehen dabei die Themen Wissenschaftskommunikation sowie wissenschaftsbasierte Innovationen im Vordergrund, zudem wird die Science-to-Policy-Dimension von den Projekten adressiert. Die Veranstaltungen werden im Laufe des Jahres in verschiedenen Regionen Brasiliens – von Südbrasilien bis Belém – stattfinden, ebenso wie die direkt vom DWIH São Paulo organisierten Aktivitäten.

Im Juni findet in Belém die 12. Ausgabe des German-Brazilian Symposium for Sustainable Development: Responsible Science for a Sustainable Future statt. Das Symposium wird in diesem Jahr von der Universität Tübingen (über das Baden-Württembergische Brasilien- und Lateinamerika-Zentrum), der Leuphana Universität Lüneburg und der Universität Bonn in Partnerschaft mit der Bundesuniversität von Pará (UFPA) und der Universität Hohenheim realisiert. Als interdisziplinäres Forum für die wissenschaftliche Zusammenarbeit zwischen Brasilien und Deutschland konzipiert, behandelt das Symposium in diesem Jahr neue wissenschaftliche Themenstränge und umfasst erstmals eine kleine Ausstellung mit Produkten regionaler Start-ups und einen vergleichenden Workshop zur Wissenschaftskommunikation. Ziel ist der Austausch über die wirksame Kommunikation von wissenschaftlichen Erkenntnissen und Lösungsvorschlägen in die Gesellschaft hinein, wobei exemplarisch Outreach-Kommunikationsstrategien für periphere Gemeinschaften im Amazonasgebiet sowie für die brasilianische, lateinamerikanische und europäisch-deutsche Öffentlichkeit gegenübergestellt werden. Weitere Informationen zu dem Symposium finden Sie hier.

Im September bündelt das Fraunhofer-Institut für Digitale Medientechnologie (IDMT) in Sorocaba (SP) seine Expertise mit dem Centro Universitário FACENS und dem Unternehmen Splice für die Veranstaltung Well-being and resilience: AI-supported noise and precipitation data as a basis for decision-making by local authorities and control centers. Das Projekt untersucht, wie KI-verarbeitete Umweltdaten – etwa zu urbanem Lärm und Starkregen – als konkrete Grundlage für kommunale Entscheidungen dienen können. In Form eines hybriden Policy Labs kommen Vertreter aus Wissenschaft, Stadtverwaltung, Zivilschutz, Unternehmen und Zivilgesellschaft zusammen, um die gesamte Kette von Rohdaten bis hin zu praktischen Empfehlungen zu durchlaufen. Als Ergebnis entstehen ein zweisprachiger Policy Brief sowie ein Implementierungsleitfaden für andere urbane Kontexte in Brasilien und Deutschland.

Stadtentwicklung und Gesundheit

Im Oktober wird in Porto Alegre und São Leopoldo (RS) das Projekt Moving the Cities 2026 durchgeführt, geleitet vom UAS7 (German Universities of Applied Sciences) in Partnerschaft mit der Unisinos und der Päpstlichen Katholischen Universität von Rio Grande do Sul (PUCRS). Die internationale Entrepreneurship-Woche vernetzt Studierende, Hochschulen und ihre Innovationsökosysteme weltweit, um in internationalen und interdisziplinären Teams kreative, SDG-basierte Lösungen für gesellschaftliche Herausforderungen zu entwickeln. 2026 stehen Fragestellungen im Kontext nachhaltiger Stadtentwicklung und Gesundheit (SDGs 11 und 3) im Mittelpunkt, die in Zusammenarbeit mit lokalen Akteuren aus Verwaltung, Wirtschaft und Zivilgesellschaft bearbeitet werden. Die Ergebnisse werden in einem öffentlichen Pitch vor Vertretern aus Wissenschaft, Wirtschaft und Zivilgesellschaft präsentiert – ein Format, das die Wissenschaftskommunikation als strukturellen Teil des gesamten Arbeitsprozesses begreift.

Im November veranstalten die Universität Heidelberg, die Fraunhofer-Gesellschaft und die Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU) in Rio de Janeiro das Symposium Tuberculosis Intersectoral Action: Protecting Children and Communities, das bewusst als science-to-policy- und policy-to-practice-Katalysator angelegt ist und über die zwei Tage des Austauschs hinauswirken soll. Ziel ist es, zu erörtern, wie wissenschaftliche Erkenntnisse über strukturelle Determinanten der Tuberkulose – zum Beispiel Armut, prekäre Wohnverhältnisse und Unterernährung – in konkrete politische Maßnahmen übersetzt werden können, mit besonderem Fokus auf Kinder und vulnerable Bevölkerungsgruppen. Deutsche und brasilianische Forschende, Mitglieder der WHO-Arbeitsgruppe für kindliche Tuberkulose sowie Vertreter des brasilianischen interministeriellen Komitees zur Eliminierung der Tuberkulose (CIEDDS) werden gemeinsam an einer systemischen Karte dieser Interaktionen arbeiten. Zu den brasilianischen Partnern gehören die Fundação Oswaldo Cruz (Fiocruz) sowie die Bundesuniversitäten von Rio de Janeiro (UFRJ) und Paraná (UFPR).

Innovationszusammenarbeit

Das Projekt Innovation Systems in Brazil and Germany – Structures, Actors, and Cooperation Potential ist strategisch in die Aktivitäten des DWIH São Paulo zur Vernetzung der Innovationsökosysteme beider Länder eingebettet. Projektpartner sind die Universität Münster, die Technische Universität München (TUM), die Technische Universität Berlin und UAS7. Gemeinsam bringen sie deutsche und brasilianische Akteure aus Hochschulen, Transferstrukturen und Innovationsökosystemen zusammen, um die Innovationssysteme beider Länder vergleichend zu analysieren und konkrete Kooperationspotenziale zu identifizieren. Die Maßnahme ist als mehrmonatiger Prozess angelegt, der vorbereitende Workshops, Fachgespräche, institutionelle Besuche und die Erarbeitung eines Briefings umfasst und Ende November in eine Veranstaltung im Goethe-Institut São Paulo mündet. Ein gemeinsames White Paper bündelt die Ergebnisse und trägt zu ihrer nachhaltigen Sicherung und Weiterverwertung bei.

Programm des DWIH São Paulo

Auch die eigenen Veranstaltungen des DWIH São Paulo rücken das Thema Science for Society in den Fokus und setzen dabei besondere Schwerpunkte auf Wissenschaftskommunikation und Innovation. Im Mai beteiligt sich das DWIH São Paulo an der São Paulo Innovation Week, die erstmals in der Stadt stattfindet, und organisiert ein Panel, das deutsche und brasilianische Referenten zu einem Austausch über Innovationsökosysteme zusammenführt.

Dem Thema Wissenschaftskommunikation widmet das DWIH São Paulo unter anderem seinen traditionellen Round Table im Rahmen der Jahrestagung der Sociedade Brasileira para o Progresso da Ciência (SBPC), der dieses Jahr den Titel „Academic Freedom and Science Communication: German–Brazilian Perspectives on Strengthening Public Trust” trägt. Die 78. Ausgabe dieser Jahrestagung findet auf dem Gragoatá-Campus der Universidade Federal Fluminense (UFF) Ende Juli in Niterói (RJ) statt.