An der Universität Tübingen werden künftig sechs neue Exzellenzcluster gefördert

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Die Universität Tübingen wurde mit sechs Exzellenzclustern ausgezeichnet. Darunter befindet sich der Cluster TERRA, der über den Capes-Lehrstuhl und das Programm Research Takeoff (TRT) mit dem Brasilien- und Lateinamerika-Zentrum verbunden ist und so auch Impulse nach Lateinamerika sendet.

Am 22. Mai 2025 gab die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) die Ergebnisse der Auswahl von Forschungsclustern in der Exzellenzstrategie bekannt gegeben. Die Universität Tübingen wurde für ihre Bemühungen um Spitzenleistungen in der Forschung mit der Verlängerung der Förderung von drei bestehenden Clustern und der Einrichtung dreier neuer Cluster belohnt. „Die Entscheidung attestiert der Universität Tübingen die Spitzenstellung dieser Forschungsbereiche und bestätigt uns in der Annahme, dass enormes Potenzial in jedem einzelnen Cluster steckt“, kommentierte die Rektorin der Universität Prof. Dr. Dr. h.c. (Dōshisha) Karla Pollmann den Erfolg. Die neue Förderung der sechs Cluster beginnt am 1. Januar 2026 und ist auf sieben Jahre angelegt. Die Universität Tübingen ist außerdem eingeladen, ihren Status als Exzellenzuniversität zu erneuern und kann dafür weitere Mittel zu beantragen.  

Dieser Erfolg unterstreicht die Position der Universität als führende Forschungseinrichtung und fördert Innovation, Interdisziplinarität sowie internationale Zusammenarbeit. 

Das Baden-Württembergische Brasilien- und Lateinamerika-Zentrum (BraLat) gratuliert allen Beteiligten zu diesem bedeutenden Erfolg und ist stolz, Teil der Universität Tübingen zu sein, die ihre Spitzenposition als nationale und international anerkannte Forschungseinrichtung ausbauen konnte. 

Dies sind die Exzellenzcluster, die durch Innovation, Interdisziplinarität und hohem wissenschaftlichen Anspruch überzeugten: 

TERRA: Wechselwirkungen zwischen Geo- und Biosphäre in einer Welt im Wandel

Der Exzellenzcluster „TERRA“ wird untersuchen, wie Geo-Biosphären-Wechselwirkungen auf Umweltveränderungen reagieren und sie beeinflussen. Untersucht wird die Hypothese, ob und wie die Diversität der Geosphäre die Biosphäre stabilisiert und umgekehrt. Der Cluster verfolgt einen integrativen Ansatz, der Feldbeobachtungen, Experimente und Computerstudien über unterschiedliche Zeiten der Erdgeschichte kombiniert. Zwei Professor*innen des Sprecherteams dieses Exzellenzclusters, Prof. Dr. Kira Rehfeld und Prof. Olaf Cirpka, die am Geo- und Umweltforschungszentrum (GUZ) der Universität Tübingen forschen und lehren, pflegen gute Beziehungen zu lateinamerikanischen Partnern.  Kira Rehfeld ist als Gastgeberin des Capes-Tübingen Lehrstuhls 2026/27bestätigt; Olaf Cirpka, führt seit 2024 das Projekt „Influence of groundwater flow on slope stability: A case study in Medellin, Colombia” mit kolumbianischen Universitäten in der Förderlinie Tübingen Research Takeoff (TRT) des BraLat durch. 

HUMAN ORIGINS: Paradigmenwechsel in der Erforschung der menschlichen Evolution

Die neuen Forschungsmethoden und -ansätze des 21. Jahrhunderts haben die Erforschung der menschlichen Ursprünge revolutioniert und deren Verständnis stark verändert. Das Exzellenzcluster befasst sich mit drei verbundenen Themenkomplexen: Systematik und evolutionäre Beziehungen, Evolution der menschlichen Kognition sowie Evolution der menschlichen ökologischen Nische. HUMAN ORIGINS betrachtet die vergangenen fünf Millionen Jahre menschlicher Entwicklung und geht grundlegenden Fragen nach, unter anderem: Woher stammen wir, und wie sind wir geworden, was wir jetzt sind? Wie kam es dazu, dass der Homo sapiens heute der einzige überlebende Hominine ist?  In die Suche nach Evidenz integriert der Cluster biologische, kulturelle und ökologische Aspekte, wodurch sich bisher unbemerkte Zusammenhänge erkennen lassen. HUMAN ORIGINS wird maßgeblich dazu beitragen, einen Paradigmenwechsel in der Erforschung der menschlichen Evolution herbeizuführen. 

GreenRobust: Robustheit pflanzlicher Systeme von Molekülen bis zu Ökosystemen

Der Exzellenzcluster „GreenRobust“ bei dem die Universitäten Tübingen, Heidelberg und Hohenheim zusammenarbeiten, erforscht die Prinzipien der Robustheit pflanzlichen Lebens. Mittels Netzwerktheorie und künstlicher Intelligenz werden Modelle entwickelt und getestet, welche die Mechanismen pflanzlicher Robustheit beschreiben. 

Controlling Microbes to Fight Infections (CMFI): Mit neuen Strategien Infektionen bekämpfen

Ziel des Clusters ist es, schwer behandelbare Infektionen mit antibiotikaresistenten bakteriellen Pathogenen mittels neuer Methoden und Wirkstoffe verhindern und bekämpfen zu können. 

Während der ersten Förderphase entdeckten CMFI-Forschende neuartige antimikrobielle Substanzen, die natürlicherweise von Mikroben in unseren Mikrobiomen produziert werden. In Studien konnte einer der neuentdeckten Wirkstoffe das Methicillin-resistente Bakterium Staphylococcus aureus (MRSA), einen Krankenhauskeim, gezielt ausschalten. 

In der zweiten Förderphase baut der Cluster seinen integrativen Forschungsansatz zur Mikrobiom-Kontrolle aus. Biologische, medizinische, chemische und computergestützte Forschung soll komplexe Wechselwirkungen potenziell gefährlicher Bakterien mit vorteilhaften Mikroorganismen und mit dem Wirt erfassen sowie für Therapieansätze nutzbar machen.  

Individualisierung von Tumortherapien durch molekulare Bildgebung und funktionelle Identifizierung therapeutischer Zielstrukturen (iFIT) 

iFIT steht für einen vernetzten Krebsforschungs- und Therapieentwicklungsansatz, der drei Hauptforschungsgebiete der Medizinischen Fakultät der Universität Tübingen vereint: funktionelle Identifizierung therapeutischer Zielstrukturen, akademische Wirkstoffentwicklung und molekulare Tumortherapien; Immunologie und Immuntherapien; molekulare und funktionelle multiparametrische Bildgebung. In der ersten Förderperiode konnten dank iFIT tumorbiologische Prozesse tiefergehend charakterisiert und neue Angriffspunkte für molekulare- und immunologische Krebstherapeutika Diagnostika identifiziert werden. Künftig soll im iFIT-Cluster die akademische Wirkstoffentwicklung weiter ausgebaut werden, um hochinnovative Krebstherapeutika und Diagnostika bis zur Erstanwendung im Menschen entwickeln zu können.  

Maschinelles Lernen: Neue Perspektiven für die Wissenschaft 

In der ersten Förderperiode erlangten die Forschenden mit Techniken des maschinellen Lernens neue Einblicke in unterschiedliche Wissenschaftsfelder:  Unter anderem konnten so das Wissen über die Grundbausteine des Gehirns erweitert und das Verständnis von Gravitationswellen in der Physik vertieft werden. Doch Machine-Learning-Verfahren haben noch immer Schwachstellen mit Blick auf ihre Zuverlässigkeit, Robustheit und Interpretierbarkeit. Der Exzellenzcluster zielt in der zweiten Förderperiode darauf ab, die Methoden weiterzuentwickeln und automatisierte Lernverfahren in den gesamten wissenschaftlichen Arbeitsprozess einzubinden. Das Potential dieses Ansatzes werden die Forschenden an einem breiten Spektrum von Disziplinen unter Beweis stellen und zum Beispiel Ursachen für Krankheitsverläufe identifizieren oder die Dynamik von Quantensystemen aufklären. 

Weitere Informationen: Sechs Exzellenzcluster werden in Tübingen gefördert | Universität Tübingen