Martius Revisited III-Symposium: Nachhaltigkeitsziele wegweisend für mehr planetare Gesundheit
© DWIH São Paulo
Im Rahmen des Symposiums Martius Revisited III: Global Health in Planetary Age, das am 13. und 14. März am Zentrum für Nachhaltigkeitsstudien für die Amazonasregion (Centro de Estudos Amazônia Sustentável – CEAS) stattfand, diskutierten Spezialisten in verschiedenen Panels Schnittstellen zwischen globaler Gesundheit, planetarem Denken und Klimawandel. Den Expertinnen und Experten zufolge können die von den Vereinten Nationen festgelegten 17 Ziele für nachhaltige Entwicklung den Weg hin zu einem gesünderen Planeten weisen.
Die Veranstaltung war eine gemeinsame Initiative des an der USP angesiedelten Martius-Lehrstuhls Deutschland-Brasilien für Humanwissenschaften und Nachhaltigkeit (gefördert vom Deutschen Akademischen Austauschdienst – DAAD), dem Deutschen Wissenschafts- und Innovationshaus (DWIH) São Paulo, der USP sowie der Berlin University Alliance (Humboldt-Universität zu Berlin, Freie Universität Berlin und Technische Universität Berlin) und beinhaltete Beiträge von Forschenden aus Deutschland und Brasilien. Laura Kemmer, die derzeitige Inhaberin des Martius-Lehrstuhls zur Förderung von interdisziplinärer Forschung im Bereich Nachhaltigkeit, begrüßte die Anwesenden und moderierte eine der Diskussionsrunden. Die Direktorin des DWIH São Paulo und der DAAD-Außenstelle, Katharina Fourier, betonte während der Eröffnung die Notwendigkeit einer paradigmatischen Neuausrichtung in Bezug auf das Konzept der planetaren Gesundheit.
„Es reicht nicht mehr, Gesundheit nur innerhalb von Landesgrenzen oder in isolierten Kriterien zu denken. Sie muss als fester Bestandteil eines gesunden Planeten verstanden werden. Und dies führt uns zu grundlegenden Fragestellungen: Wie können wissenschaftliche Erkenntnisse schneller in politische und soziale Maßnahmen überführt werden? Wie kann Innovation zu nachhaltigen und resilienten Gesundheitssystemen beitragen? Und wie können wir den internationalen Wissensaustausch so gestalten, dass alle davon profitieren? Antworten auf diese zentralen Fragen sucht das DWIH São Paulo durch das Einbeziehen von deutschen und brasilianischen Akteuren, um neue Perspektiven zu eröffnen und langfristige Kooperationen aufzubauen“, führte sie aus.
Klimawandel
Das Eröffnungspanel mit dem Thema „Von Global zu Lokal: Planetare Grenzen in Bezug auf den Klimawandel und Gesundheit. Dialoge zwischen Deutschland und Brasilien“ diskutierte die Auswirkungen der globalen Erwärmung auf die Gesundheit weltweit. Keynote Speaker waren dabei die Professoren Christian Schneider (Humboldt-Universität zu Berlin) und Paulo Artaxo (USP). Schneider ist Dozent im Bereich Klimageographie an der HU Berlin und wies darauf hin, dass die Erderwärmung im 20. Jahrhundert durch den menschlichen Einfluss in einem deutlich erhöhten Tempo vorangeschritten ist. „In einem Zeitraum von 5.000 Jahren betrug die globale Erwärmung ungefähr fünf Grad, was einer Erhöhung um ein Grad alle tausend Jahre entspricht. Im 20. Jahrhundert haben wir eine Temperaturerhöhung von einem Grad in nur 100 Jahren beobachtet. Die Menschen beeinflussen das Klima in einer zehnmal höheren Geschwindigkeit als das jemals in einem Zeitraum der jüngsten Vergangenheit unserer Erde der Fall war“, erläuterte er.
Der Forscher warnte, dass die Kinder von heute die Auswirkungen dieser klimatischen Veränderungen zukünftig stärker zu spüren bekommen werden. Daher müsse die nächste Generation von Führungskräften dahingehend ausgebildet werden, nicht nur das 21. Jahrhundert zu berücksichtigen, sondern auch das darauffolgende. „Das bedeutet, dass wir uns sowohl als Individuen als auch als Gemeinschaft, Länder oder Politiker bei jeder Entscheidung fragen müssen: Bringt uns diese Entscheidung auf einen Weg der Klimaresilienz oder verringert sie sie? Gestalten wir eine Zukunft mit mehr Resilienz und weniger Risiken oder bewegen wir uns in die entgegengesetzte Richtung? Das ist die große Herausforderung“, so Schneider.
Artaxo, Professor für Physik der Atmosphäre an der USP und Koordinator des CEAS, verwies darauf, dass Brasilien weltweit ein Vorbild für die Nutzung erneuerbarer Energien ist und sich ihm zufolge in einer „einzigartigen Position“ befindet, um seinen Ausstoß umweltschädlicher Gase zu reduzieren und eine nachhaltige Gesellschaft aufzubauen. „Kein anderes Land, auch Deutschland nicht, reicht in puncto erneuerbare Energien an Brasilien heran. Dadurch zeigt sich, dass eine alternative Zukunft für den Planeten möglich ist und unser Land ist ein Beispiel dafür, wie das erreicht werden kann. Außerdem hat Brasilien seine Emissionen durch das Verbrennen von Biomasse in den letzten vier Jahren um 64 % gesenkt und sich das Ziel gesetzt, bis 2030 die Abholzung zu beenden“, erklärte er.
Der Experte bekräftigte jedoch, dass wir derzeit an einem Scheideweg stehen und die kommenden zehn Jahre richtungsweisend sein werden. Die Gestaltung einer neuen planetaren Gesellschaft müsse die Nachhaltigkeitsziele berücksichtigen. „Wir sollten bei den Ursachen des Problems, bei den Auswirkungen und dem Senken von Emissionen ansetzen und uns auch mit der Anpassung an die Klimaveränderungen befassen. Miteinbezogen werden muss auch das Thema Governance, das ebenso wichtig ist wie die physikalischen und chemischen Aspekte. Außerdem ist es erforderlich, diese Bestrebungen mit in die Finanzierung einzuplanen. Schließlich sollten wir eine neue Gesellschaft aufbauen, die sich um die planetare Gesundheit kümmert, denn wie wir sehen, ist unser Planet in keiner guten Verfassung. Der Weg dahin ist in den 17 Nachhaltigkeitszielen bereits skizziert“.
Programm
Im Rahmen der Veranstaltung fanden außerdem die Eröffnung der Ausstellung „Planetare Gesundheit… über Anfänge und Enden“ der Kuratorinnen Nina Schäfer und Jule Heinzelmann sowie zwei Podiumsdiskussionen zum Thema „Planetare Gesundheit neu gedacht: Städte mit Artenvielfalt, dekoloniale Ökologie und Weltanschauungen zu Heilung und Gesundheit“ statt. Des Weiteren wurde für Lehrtätige ein Workshop zu COIL-Kursen (Collaborative Online International Learning Experiences zwischen Berlin und São Paulo) angeboten. Das DWIH São Paulo und der DAAD beteiligten sich zudem an einer Informationsveranstaltung zu Forschungs- und Fördermöglichkeiten in Deutschland.