SoftSocket gewinnt den „Startups Connected –Wettbewerb" 2025 des DWIH São Paulo
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Das von Cara Ammann und Lisa-Marie Frühauf gegründete Startup SoftSocket gewann den Wettbewerb 2025 des Deutschen Wissenschafts- und Innovationshauses (DWIH) São Paulo im Rahmen des Programms „Startups Connected“, das von der Deutsch-Brasilianischen Industrie- und Handelskammer São Paulo (AHK São Paulo) durchgeführt wird. Das Startup überzeugte die Jury mit seinem Konzept für kosteneffiziente Prothesen, die online nach Hause bestellt und individuell angepasst werden können.
Der Wettbewerb des DWIH São Paulo stand unter dem Motto „Global Health“ und richtete sich an deutsche wissenschaftsbasierte Startups mit innovativen Lösungen im globalen Gesundheitswesen, die am brasilianischen Markt interessiert sind. Mit dem Sieg qualifizierte sich SoftSocket für eine einwöchige Roadshow durch Brasilien, inklusive Flug und Unterkunft, um den Markt und potenzielle Partner kennenzulernen, die gemeinsam von der Organisation und dem Startup ausgewählt werden. Am 7. November werden die Gewinnerinnen offiziell während des 13. Deutsch-Brasilianischen Innovations- und Nachhaltigkeitskongresses der AHK Brasilien ausgezeichnet.
Zusätzlich zur Roadshow erhält SoftSocket eine einjährige Mitgliedschaft bei der AHK São Paulo, die den Zugang zu exklusiven Veranstaltungen, Networking-Möglichkeiten und weiteren Vorteilen umfasst. Das Startup wird außerdem bei der Identifizierung potenzieller Partner und der Vermittlung von Kontakten im Land unterstützt.
„SoftSocket hat die Jury überzeugt, weil es eine innovative Lösung mit enormem Wirkungspotenzial in Brasilien präsentiert. Die Lösung kombiniert personalisierte Prothesen mit einem Online-Bestellsystem, das den Zugang demokratisiert und auch abgelegene Regionen und unterversorgte Gemeinschaften erreicht. Es ist ein Konzept, das direkt zur physischen und psychischen Gesundheit der Nutzer beiträgt und Inklusion sowie Gesundheitsgerechtigkeit fördert“, sagte Anja Grecko Lorenz, Programmleiterin des DWIH São Paulo und Jurymitglied.
Neben Grecko Lorenz setzte sich die Jury aus Katharina Fourier, Leiterin des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD) Brasilien und des DWIH São Paulo; Sören Metz, Beiratsvorsitzender des DWIH São Paulo; Thaís Melo, Medicine and Market Access Director bei Boehringer Ingelheim Brasilien; Paulo Schor, Arzt und Professor an der Universidade Estadual Paulista (Unesp) sowie Manager für Forschung und Innovation bei der Fapesp; Rafael Otto Schneidewind, Herzchirurg und Vertreter des Deutschen Krankenhauses Oswaldo Cruz; sowie Fernando Paraíso, Leiter der Abteilung für Innovation und Nachhaltigkeit der AHK São Paulo, zusammen.
Das Projekt
Die Idee von SoftSocket hat ihren Ursprung in der Masterarbeit von Ammann im Fachbereich Biomedical Engineering an der ETH Zürich, in deren Rahmen sie die Mechanik der Prothesen entwickelte. Frühauf, die ihren Master in Entrepreneurship in Digitalen Technologien an der Universität zu Lübeck absolvierte, ist für das Geschäftsmodell, die Marktstrategien und die Nutzererfahrung verantwortlich.
Das Konzept vereint innovative Materialien, die Dezentralisierung von Prozessen, niedrige Kosten und eine nutzerfreundliche Erfahrung, die dem Direktkauf von Produkten ähnelt. Nutzer erhalten ein einfaches Set mit klaren Anweisungen zur Durchführung der erforderlichen Messungen direkt nach Hause. Die ermittelten Daten werden anschließend selbstständig auf der Website des Unternehmens eingegeben, was einen Besuch vor Ort oder in einer spezialisierten Klinik überflüssig macht.
Eine proprietäre, KI-gestützte Software verarbeitet die Daten und generiert ein Modell, das zur Auswahl einer idealen Kombination modularer Komponenten aus einer Gruppe von zwölf standardisierten Bauteilen dient. Die bereits angepasste und montierte Prothese wird direkt an den Nutzer versenndt und ist sofort einsatzbereit.
Die eigentliche Innovation liegt im patentierten Selbstjustierungsmechanismus. Dieser Mechanismus ermöglicht dynamische Anpassungen an tägliche Volumenschwankungen des Stumpfes. Dadurch werden Schmerzen durch Druckstellen und Instabilität durch eine lockere Prothese verhindert. Durch die Verwendung leichter, atmungsaktiver und langlebiger Materialien bietet die Prothese einen hohen Tragekomfort, insbesondere beim Sport und in heißen Klimazonen. Die Verwendung standardisierter Teile, die zur optimalen Prothese für den Nutzer kombiniert werden, senkt die Kosten erheblich und ermöglicht einen breiteren Zugang.
Frühauf betonte, der Sieg sei eine Anerkennung für die Arbeit der beiden Gründerinnen und zeige, dass sie mit ihrer Entscheidung, nach dem ersten Prototyp weiterzumachen, richtig gelegen hätten. “Von der Roadshow erwarten wir uns, dass wir unsere internationale Position frühzeitig stärken können und so in dem für die Prothetik nicht unerheblichen brasilianischen Markt Kontakte zu den lokalen Gesundheitsversorgern und NGOs knüpfen zu können. Aber auch potenzielle Kunden anzusprechen und uns so selbst einen guten Eindruck von den Gegebenheiten und dem Bedarf vor Ort machen zu können, um bestmöglichen Zugang zu unserer Lösung zu bieten.”
Weitere Finalisten
Insgesamt gingen für den Wettbewerb des DWIH São Paulo 16 Bewerbungen von Startups ein, von denen sechs als Finalisten ausgewählt wurden. Neben SoftSocket erreichten folgende Unternehmen die Endrunde: Puraite, das KI zur Automatisierung der systematischen Überprüfung medizinischer Literatur einsetzt; Belle Health GmbH, eine Gesundheitsplattform für Frauen, die App und Wearables zur Analyse der Auswirkungen der prämenstruellen dysphorischen Störung kombiniert; SKAI, eine App, die Dermatologen und Patienten bei Hautbehandlungen unterstützt; Mirai, das die Entwicklung nachhaltiger Gesundheitsprojekte erleichtert; und Mimo Sense GmbH, das eine ultradünne „digitale Haut“ zur Überwachung von Gesundheitsparametern entwickelt hat.
Text: Rafael Targino