Reimar-Lüst-Preis für brasilianische Wissenschaftlerin Prof. Dr. Lilia Moritz Schwarcz

© Felipe Mairowski

Renommierte Historikerin und Anthropologin forscht und lehrt mit Beginn des Sommersemesters 2022 an der Freien Universität Berlin. Alexander von Humboldt-Stiftung bewilligt Nominierung von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern der Freien Universität Berlin.

Die renommierte Historikerin, Anthropologin und Verlegerin Prof. Dr. Lilia Moritz Schwarcz von der Universität São Paulo ist mit dem Reimar-Lüst-Preis ausgezeichnet worden; sie forscht und lehrt nach einer Bewilligung der Alexander von Humboldt-Stiftung und der Fritz Thyssen Stiftung mit Beginn des Sommersemesters 2022 an der Freien Universität Berlin. Die Stiftung folgte mit ihrer Entscheidung einem Antrag von Prof. Dr. Susanne Zepp-Zwirner, vermittelt durch das Verbindungsbüro der Freien Universität in São Paulo und eingereicht mit Unterstützung von Prof. Dr. Annette Jael Lehmann und Prof. Dr. Stefan Rinke. Schwerpunkt der Arbeit von Lilia Moritz Schwarcz in Berlin soll die afrobrasilianische und indigene Geschichte Brasiliens sein.

„Lilia Moritz Schwarcz ist eine führende Historikerin Brasiliens und eine wichtige Stimme der Demokratie und einer freien Wissenschaft, Kultur und Kunst in populistischen Zeiten in Lateinamerika und weit darüber hinaus“, betonte Susanne Zepp-Zwirner, Professorin für spanische, portugiesische und französische Literaturwissenschaft an der Freien Universität. Ihr seien wesentliche Anstöße zu einer konsequenten Analyse der Kolonialgeschichte Brasiliens zu verdanken. „Darüber hinaus hat Lilia Moritz Schwarcz sich durch gewichtige Forschungsleistungen zur Anthropologie sowie zur Kunst- und Sozialgeschichte Brasiliens ausgezeichnet“, betonte die Ibero-Romanistin.

Mit dem Namen von Lilia Moritz Schwarcz verbinden sich in der fachwissenschaftlichen aber auch in der weiteren Öffentlichkeit nachhaltig wirkende Forschungsarbeiten zur brasilianischen Geschichte. Sie wurde mit den renommierten Fellowships der Guggenheim Foundation (2006/ 2007) und der John Carter Brown Library (2007) ausgezeichnet. Zudem war sie Gastprofessorin an den Universitäten Oxford, Leiden, Princeton und Brown, Tinker-Professorin an der Columbia University (2008). Seit 2011 ist sie Global Professor an der Universität Princeton.

Susanne Zepp-Zwirner hob zudem das Engagement der Preisträgerin für die historische Anerkennung der afrobrasilianischen und indigenen Geschichte hervor. Stefan Rinke führte aus: „Ihre akademische Arbeit hat nicht nur zahlreiche brillante, auch international weithin wahrgenommene Einzelstudien hervorgebracht, die jede für sich neue Einsichten vermitteln.“ Sie habe mit ihrem Oeuvre insgesamt der Kulturgeschichte und der Anthropologie völlig neue interdisziplinäre Perspektiven eröffnet. So sei es Lilia Moritz Schwarcz gelungen, mit ihren Arbeiten das Verständnis der Geschichte Brasiliens wesentlich zu verändern. „Ihr historisches Erkenntnisinteresse ging und geht dabei stets einher mit dem eindringlichen Bemühen, dadurch auch das Gewordensein der Gegenwart besser zu verstehen.“ Annette Jael Lehmann unterstrich in diesem Zusammenhang die Bedeutung der Arbeiten von Lilia Moritz Schwarcz als Kuratorin des Museu de Arte de São Paulo.

Im Jahr 2020 erschien Lilia Moritz Schwarcz‘ Buch Sobre o autoritarismo brasileiro (Über den brasilianischen Autoritarismus) – das Werk erschien ein Jahr nach den Wahlen, bei denen Jair Bolsonaro zum Präsidenten des Landes gewählt wurde. Bei dem Buch handelt es sich um eine historische Bestandsaufnahme der verschiedenen Formen des Autoritarismus und ihrer Ausdrucksformen in der brasilianischen Geschichte. Eine der eindringlichsten Aussagen, die in der öffentlichen Debatte derzeit diskutiert wird, markiert den Patrimonialismus der Justiz als Variante von Korruption und damit eines Machtmissbrauchs, der für Brasilien ebenso schädlich sei wie für jedes andere Land, in dem dieser Regimetyp die Oberhand gewinnt.

Diese Aufbereitung der Geschichte zum Verständnis der Gegenwart präsentierte die Sozialwissenschaftlerin in ihrem Vortrag „Past and Present: Violence and Authoritarianism in Brazil“ beim 8. Deutsch-Brasilianischen Dialog über Wissenschaft, Forschung und Innovation. Aufgrund ihres Beitrags wurde die Historikerin für das Finale des deutschen Wettbewerbs Falling Walls – Breakthroughs of the Year in der Kategorie Social Science and Humanities nominiert.

Der Preis trägt den Namen des Astrophysikers und früheren Präsidenten (1989-1999) der Humboldt-Stiftung Reimar Lüst (1923-2020). Die Alexander von Humboldt-Stiftung und die Fritz Thyssen Stiftung verleihen jährlich bis zu zwei Reimar-Lüst-Preise; geehrt werden renommierte Geistes- und Sozialwissenschaftlerinnen und -wissenschaftler aus dem Ausland. Gewürdigt werden damit besondere Verdienste um die nachhaltige Förderung der bilateralen Beziehungen zwischen Deutschland und dem Heimatland der Geehrten in der Wissenschaft und durch die Wissenschaft.

Quelle: Fu Berlin