Wissenschaft als Antwort auf Klimaprobleme

© Felipe Mairowski

In der Abschlussveranstaltung des 9. Deutsch-Brasilianischen Dialogs  wurde hervorgehoben, dass die Wissenschaft zwar bereits gute Lösungen für Klimaprobleme zu bieten hat, ihre Umsetzung allerdings am Fehlen einer langfristigen Koordinierung scheitert.

„Sollten sich die Vorhersagen eines globalen Temperaturanstiegs von 1,5 bis 2 Grad Celsius zwischen 2030 und 2050 bestätigen, wird dies große Probleme für die Städte mit sich bringen. Sie werden einen Temperaturanstieg von 6 Grad Celsius im Vergleich zum vorindustriellen Klima verzeichnen.” Mit dieser Warnung begann Marcos Buckeridge, Leiter des Instituts für Biowissenschaften an der Universität São Paulo (USP) und Koordinator des Forschungsprogramms USP Global Cities, seinen Vortrag „A Research Agenda for Cities of the Future” zum Abschluss des 9. Deutsch-Brasilianischen Dialogs.

Der Wissenschaftler, der an der Ausarbeitung des Dokuments „Globale Warnung vor 1,5 Grad Celsius” des Weltklimarats (IPCC) beteiligt war, betonte die Bedeutung einer sofortigen Maßnahme zur Reduzierung der CO2-Emissionen: „Wir haben keine Zeit mehr für Grundlagenforschung zu diesem Thema. Wir müssen sofort mit den Daten handeln, die wir bereits haben, um die Folgen des Klimawandels für die Städte abzumildern oder diese an die Veränderungen anzupassen.” Laut Buckeridge, der auch Mitglied des wissenschaftlichen Ausschusses der Veranstaltung ist, muss die Wissenschaft ihre Studien zu diesem Thema fortsetzen und ihre Arbeit an neue Gegebenheiten anpassen.

Für den Koordinator von USP Global Cities ist es wichtig, dass die öffentliche Agenda zur Bekämpfung von Klimaeffekten auf einer wissenschaftlichen Methodik aufbaut: „Politiker und Bevölkerung müssen bei der Gestaltung öffentlicher Maßnahmen wissenschaftliche Lösungen übernehmen.”

Das politische Szenario in Brasilien, bei dem alle vier Jahre Änderungen in der Exekutive und der Legislative vorgenommen werden, behindere allerdings den Fortschritt nachhaltigerer politischer Maßnahmen. „An vielen Orten verstehen die Menschen nicht, dass die vier Jahre für die Regierung, aber nicht für den Staat gelten”, betont der Wissenschaftler in Anspielung auf die mangelnde Kontinuität einiger guter Programme.

Nach Ansicht von Buckeridge liegt die Lösung für eine Stadt im Gleichgewicht zwischen Management, Regulierung und Wissensproduktion: „Wenn die Prozesse gut angepasst und wissenschaftlich fundiert sind, wird sich der Nachhaltigkeitsgrad erhöhen.”

Nachhaltigkeit des „Urbsystems”

Nach Studien der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) geht ein Drittel aller weltweit produzierten Lebensmittel verloren. Die Vergeudung beginnt schon bei der Ernte auf dem Feld und setzt sich dann beim Transport von Lebensmitteln und später bei uns zu Hause fort. „Letztendlich trägt all dies zu einer Verringerung der städtischen Nachhaltigkeit bei”, bekräftigte Buckeridge.

Der Wissenschaftler erläuterte, dass die Stadt ein eigenes Ökosystem darstellt, was er als „Urbsystem“ bezeichnete. Der Koordinator von USP Global Cities erinnerte daran, dass Materialien, wie Lebensmittel, importierte Produkte und Rohstoffe, die von außerhalb der Stadt stammen, im städtischen System verarbeitet werden. „Dieser ganze Prozess produziert Abfall. Der Nachhaltigkeitsgrad des Urbsystems ist umgekehrt proportional zu den Mengen an Wasser und Energie, die es zur Verarbeitung dieser Materialien verwendet.”

In diesem Sinne, so Buckeridge, sei es notwendig, an einem kulturellen Wandel zu arbeiten, um nachhaltigere Gewohnheiten zu etablieren, z. B. die Vermeidung von Lebensmittel- und Wasserverschwendung, die Verwendung sauberer Transportmittel und Kraftstoffe sowie Investitionen in nachhaltigere Baumaterialien. „Wir müssen die Ziele der Vereinten Nationen für nachhaltige Entwicklung als eine Art Leitfaden für die Zukunft begreifen“, schloss der Wissenschaftler seinen Vortrag ab.