g.a.s.t. und ihre Repräsentanz in Brasilien

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Interview mit Dr. Hans-Joachim Althaus, Geschäftsführer der Gesellschaft für Akademische Studienvorbereitung und Testentwicklung (g.a.s.t.) e.V. und Leiter des TestDaF-Instituts und mit Maxi Neidhardt, seit Okt. 2019 Büroleiterin von g.a.s.t im DWIH São Paulo.

Drei Fragen an Dr. Hans-Joachim Althaus:

Im Oktober 2018 wurde die Gesellschaft für Akademische Studienvorbereitung und Testentwicklung (g.a.s.t.) als Mitglied in das Deutsches Wissenschafts- und Innovationshaus (DWIH) São Paulo aufgenommen. Seit 2019 arbeitet dort Maxi Neidhardt als Vertreterin von g.a.s.t. Welche Bedeutung hat Brasilien für g.a.s.t. und deren Arbeit mit internationalen Studierenden?

Brasilien hat sich in den letzten Jahren mehr und mehr als wichtiges Herkunftsland für Studierende in Deutschland entwickelt. Mit dem landesweiten Mobilitätsprogramm Wissenschaft ohne Grenzen (Ciência sem Fronteiras) begannen viele junge Menschen sich für ein Auslandsstudium zu interessieren. Die Stipendien der brasilianischen Regierung sowie die Förderorganisationen CAPES und DAAD lenkten die Aufmerksamkeit auch auf Deutschland als Studienland. g.a.s.t. eröffnete von Anfang an Studierenden die Möglichkeit, online Deutsch zu lernen. Daraus ist ein großes und dauerhaftes Engagement geworden. Seit 2018 gibt es mit dem Programm Sprachen ohne Grenzen – Deutsch (Idiomas sem Fronteiras – Alemão) die hervorragende Möglichkeit, an brasilianischen Universitäten und online mit der Deutsch-Uni Online (DUO) Deutsch zu lernen. 1.500 Studierende im Jahr machen mit. Sie erhalten Stipendien von DAAD und CAPES, die DUO liefert Unterrichtsmaterialien. Tutorinnen und Tutoren betreuen die Studierenden, Koordinatorinnen und Koordinatoren an den 16 beteiligten Universitäten wählen Studierende aus und beraten vor Ort. Lehrkräfte, unterstützt von der DUO, begleiten die Studierenden auf ihrem Weg ins digitale Deutschlernen.

Was macht die Kooperation mit dem DWIH aus und welche Ziele stehen dabei im Vordergrund?

g.a.s.t. sieht sich als Partner deutscher Hochschulen und Wissenschaftsorganisationen, der den Austausch von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern fördert – so auch im DWIH: durch Beratung, durch Sprachlernangebote, durch unsere Sprachprüfungen TestDaF und onSET oder unseren Studieneignungstest TestAS, die wichtige Bausteine des Hochschulzugangs für Studierende sind.g.a.s.t. nimmt aber auch Schwerpunktthemen des DWIH auf und entwickelt hierfür kleine Sprachlernangebote. Maxi Neidhardt erarbeitet mit der DUO ein Lernmodul zum Schwerpunktthema „Städte und Klima“, das über das DWIH-Netzwerk zugänglich gemacht werden soll.

Wird es standortspezifische g.a.s.t.-Projekte geben für Brasilien? Wenn ja: Welche Projekte sind geplant bzw. vielleicht sogar schon angestoßen?

Sprachen ohne Grenzen – Deutsch zeigt, wie offen brasilianische junge Menschen Online-Lernen annehmen. Sie lernen engagiert und erfolgreich. Das motiviert g.a.s.t. weitere DUO-Kurse auf den Weg zu bringen. So laufen derzeit die Vorbereitungen für ein ähnliches Programm an den bundesstaatlichen Hochschulen in Paraná, das voraussichtlich im Sommer 2020 starten wird. Partner sind hierbei das Bildungssekretariat des Bundesstaates sowie die Bundesuniversität UFPR, an der die Umsetzung des Programms fachlich und wissenschaftlich durch Prof. Paulo Soethe begleitet wird. Dr. Giovanna Chaves und Ricardo Marques des an der UFPR angesiedelten Start-up-Unternehmens digitALE übernehmen die tutorielle Betreuung der Lernenden und werden die Lehrkräfte an den beteiligten Universitäten mit DUO und E-Learning auf ihre Aufgaben vorbereiten.

Ich möchte dazu noch generell betonen, dass einerseits ein großes Interesse an Deutsch in Brasilien – und sicher auch in anderen Ländern Südamerikas – besteht. Andererseits fehlen jedoch auch Lehrkräfte für Deutsch. Ziel von g.a.s.t. ist es daher mit der Deutsch-Uni Online die Möglichkeit zu geben, die Sprache zu erlernen. Zugleich behält g.a.s.t. jedoch immer auch im Blick, die Lehrerausbildung zu fördern. So unterstützte g.a.s.t. zum Beispiel auch das landesweit für das öffentliche Bildungssystem aufgelegte Lehreraus- und -weiterbildungsprogramm PARFOR durch kostenlose Lernangebote.

Vier Fragen an Maxi Neidhardt:

Durch Ihre vorherige Tätigkeit bei der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) im DWIH São Paulo sind Sie vor Ort bereits gut vernetzt. Wie sieht Ihre Arbeit als g.a.s.t.-Repräsentantin und Büro aus? Mit welchen Kooperationspartnern arbeiten Sie an welchen Fragestellungen?

Ich profitiere natürlich von den Erfahrungen und Kontakten, die ich im DFG-Büro Lateinamerika gesammelt und geknüpft habe, und die mir beim Aufbau eines g.a.s.t.-Netzwerks zugutekommen. Entsprechend nehme ich insbesondere repräsentative Aufgaben wahr, zum Beispiel bei offiziellen Anlässen mit Multiplikatoren oder bei Informationsveranstaltungen und Beratungen an Hochschulen und Partnereinrichtungen. Darüber hinaus stehe ich unseren Testzentren in Brasilien als Ansprechpartnerin zur Verfügung und identifiziere mögliche neue Einrichtungen, denn es besteht hoher Bedarf an unseren Produkten in Regionen, in denen es keine oder nur wenige Testzentren gibt. Ein weiterer Aufgabenbereich ist die Betreuung und Ausweitung unserer institutionellen Kooperationen mit der Deutsch-Uni Online (DUO). Im Programm Sprachen ohne Grenzen – Deutsch arbeiten wir seit 2016 sehr erfolgreich mit dem brasilianischen Bildungsministerium, der Förderorganisation CAPES und dem DAAD zusammen und ermöglichen brasilianischen Studierenden an Bundesuniversitäten, mit der DUO Deutsch zu lernen im Blended Learning-Format. Im Bundesstaat Paraná haben wir mit der Bundesuniversität UFPR eine sehr kompetente und wichtige Partnereinrichtung gewonnen und mit dem dort angesiedelten Start-up-Unternehmen digitALE ein MoU unterzeichnet, in dessen Rahmen wir insbesondere die institutionellen Kooperationen mit der DUO zum Sprachenlernen und in der Lehrerausbildung vorantreiben möchten. Hierbei fungiere ich auch als Bindeglied zwischen den Akteuren und g.a.s.t. – nicht nur auf informativer, sondern auch auf operativer und kultureller Ebene. Außerdem habe ich über die Grenzen Brasiliens hinaus auch mögliche Potenziale in anderen lateinamerikanischen Ländern im Blick. Nicht zuletzt sind die gemeinsamen Aktivitäten und die Netzwerkarbeit mit den Kolleginnen und Kollegen im DWIH São Paulo zu nennen.

Welche Erfahrungen haben Sie seit Beginn Ihrer Tätigkeit für g.a.s.t. vor Ort gemacht? Wie ist die Resonanz auf das neu eingerichtete Verbindungsbüro, wie die Nachfrage auf die Angebote von g.a.s.t.?

Es hat sich gezeigt, dass das neu eingerichtete Büro vor Ort von unseren Partnern als ein sehr positives Signal im Hinblick auf die Relevanz der Region für g.a.s.t. interpretiert wird und Abstimmungsprozesse effizienter ablaufen – unter anderem auch durch die Kommunikation in der Landessprache, was Vieles vereinfacht. Insgesamt beobachte ich bei Veranstaltungen eine rege Nachfrage zu allen unseren Angeboten und sehe insbesondere für DUO und onSET ein großes Potenzial, diese Produkte durch meine Unterstützung vor Ort noch stärker in Brasilien zu etablieren. Aufgrund der oft schwierigen Verhältnisse bezüglich der Mobilität in den brasilianischen Großstädten einerseits und des unzureichenden Sprachlernangebots in entlegeneren Gegenden andererseits ist die DUO eine attraktive Alternative zu herkömmlichen Sprachkursen. Insbesondere im aktuellen Kontext der Covid-19-Pandemie wird die DUO in Brasilien verstärkt nachgefragt, da Präsenzunterricht bis auf weiteres nicht stattfinden kann und viele Hochschulen ihre Kurse an den Sprachenzentren derzeit auf digitale Angebote umstellen.

Insgesamt ist durch die zunehmende Internationalisierung der brasilianischen Hochschullandschaft ein steigendes Interesse an Deutschland als Wissenschaftsstandort und damit großes Potenzial für g.a.s.t. in der Region zu verzeichnen.

Viele Brasilianer lernen im Rahmen eines Partnerprogramms Deutsch mit der DUO, der E-Learning-Plattform von g.a.s.t. Welche Funktion nehmen Sie bei der Abwicklung und Verbreitung dieses Angebots im Vergleich zum DUO-Team in München ein, und welche Vorteile ergeben sich dafür durch Ihre Präsenz vor Ort?

Im Rahmen unserer Sprachen ohne Grenzen-Kooperation besteht meine Funktion hauptsächlich in der Kommunikation und Abstimmung mit den beteiligten Partnern vor Ort, beispielsweise hinsichtlich politischer Entwicklungen, der Veröffentlichung der Ausschreibungen und des Kontakts mit der Programmkoordination. Wichtig ist für uns hierbei auch das Feedback der Koordinator*innen und Präsenzlehrkräfte zur Optimierung und Weiterentwicklung des Programms. Insbesondere mit der Außenstelle des DAAD in Rio de Janeiro pflegen wir – nicht nur in diesem Projekt – ein sehr gutes Verhältnis. Man könnte sagen, ich bereite den bestmöglichen Weg für die Arbeit der DUO-Kolleginnen in München vor und entlaste sie, indem ich vor Ort selbstständig mit den Programmakteuren interagiere und auf Unvorhergesehenes schnell reagieren kann.

Äußert sich die Nähe zum DWIH auch inhaltlich in Ihrem Arbeitsalltag? In welchen Belangen profitieren Sie von der Nähe und dem Austausch mit den Kolleginnen und Kollegen des DWIH?

Ein Hauptunterstützer des DWIH vor Ort zu werden, war aus meiner Sicht eine sehr gute Entscheidung von g.a.s.t., da der gebündelte Auftritt deutscher Organisationen im akademischen Bereich zu mehr Sichtbarkeit für eine – zumindest in Brasilien – neue Institution beiträgt. Da sich das Angebot von g.a.s.t. sehr gut mit dem der Hochschulen und des DAAD ergänzt, nutzen wir diese Synergien im DWIH beispielsweise bei Workshops und Informationsveranstaltungen. Oft vermitteln wir uns gegenseitig Kontakte, konzipieren gemeinsame Auftritte und empfangen normalerweise zahlreiche Besucherinnen und Besucher aus Brasilien und Deutschland. Besonders vor dem Hintergrund, dass sich g.a.s.t. gerade in Brasilien etabliert, sind die Integration in das DWIH São Paulo und die vorhandene Infrastruktur, die allen Unterstützern zur Verfügung steht, für das Erreichen unserer Zielgruppe ein großer Vorteil. Ein kürzlich von g.a.s.t. organisiertes E-Symposium wurde außerdem mit Mitteln des DWIH São Paulo gefördert, die Hauptunterstützer für ihre Projekte einwerben können. Nicht unerwähnt lassen möchte ich den Umstand, dass ich als einzige g.a.s.t.-Mitarbeiterin in Brasilien sehr dankbar für die kollegiale Einbindung und das hervorragende Arbeitsklima im DWIH bin.

Quelle: g.a.s.t.