DWIH: Wissenschaft und Innovation sind Impulsgeber für globale Strategien und Partnerschaften

© Felipe Mairowski/DWIH São Paulo

In diesem Interview erklärt der Direktor für Kommunikation des DAAD und des DWIH, Dr. Michael Harms, warum Partnerschaften und Initiativen in den Bereichen Innovation und Wissenschaft für die Entwicklung der DWIH unabdingbar sind.

Für die fünf Vertretungen des Deutschen Wissenschafts- und Innovationshauses (DWIH), die an strategischen Standorten weltweit präsent sind (New York, Tokio, New Delhi, Moskau und São Paulo), bilden sowohl Innovation als auch Wissenschaft die Grundlage ihrer Initiativen und Strategien. Die zentrale Geschäftsstelle der DWIH befindet sich in der Zentrale des DAAD (Deutscher Akademischer Austauschdienst) in Bonn, der für die Koordination der Zentren verantwortlich ist und aus diesen ein globales Netzwerk sowie eine Networking-Plattform erschafft.

Ihrer Meinung nach: was sind die Schwerpunkte der Arbeit von den DWIH, um ein globales Netzwerk und eine Plattform der Begegnung weiterzuentwickeln? 

Die fünf Deutschen Wissenschafts- und Innovationshäuser (DWIH) in New York, Tokyo, Neu-Delhi, Moskau und São Paulo unterstützen deutsche Wissenschaftler, Forscher und Entrepreneure sowie ihre jeweiligen Partner beim internationalen und interdisziplinären Austausch. Wissenschaftler können mit den DWIH als Plattform nationale Grenzen überschreiten und bilaterale Wissenschaftskooperationen aufbauen. Dabei setzen wir unter anderem auf ein vielschichtiges Veranstaltungsprogramm, das von Fachveranstaltungen zu Schwerpunktthemen bis hin zu Wissenschaftswettbewerben reicht. Diese Impulse, die häufig in Kooperation mit Partnern in den jeweiligen Ländern durchgeführt werden, bilden eine gute Gelegenheit für neue Kontakte und Kooperationen.

Warum ist die Teilnahme bei einer Veranstaltung wie dem Innovationskongress wichtig für die Arbeit der DWIH? Welche positiven Entwicklungen leiten sich daraus ab? 

Der Innovationskongress, den die Deutsch-Brasilianische Industrie- und Handelskammer (AHK) in diesem Jahr bereits zum siebten Mal ausrichtet und der seit seiner ersten Durchführung maßgeblich durch das Deutsche Wissenschafts- und Innovationshaus São Paulo unterstützt wird, bietet den Teilnehmenden ein Forum, um aktuelle Trends in der brasilianischen Innovationslandschaft zu diskutieren. Im Aktivitätskalender des DWIH São Paulo bildet er eine zentrale Veranstaltung, weil hier Wissenschaftler mit Wirtschafts- und Regierungsvertretern zusammentreffen und sich über Länder und Fachgrenzen hinweg austauschen können. Veranstaltungen wie diese, die an der Schnittstelle von Wissenschaft und Wirtschaft platziert sind, sind für die DWIH sehr relevant, weil hier Forschungsthemen auch aus einer anwendungsbezogenen Perspektive diskutiert werden können.

Das DWIH São Paulo präsentiert in dem Innovationskongress Referenten aus Deutschland. Was ist die Bedeutung dieser Art von Beiträgen vonseiten der DWIH?

Indem wir profilierte Wissenschaftler aus unserem breiten Netzwerk als Redner einladen, bringen wir als DWIH unsere wissenschaftliche Expertise ein. Insgesamt wirken 21 deutsche Forschungseinrichtungen und Universitäten als Unterstützer aktiv an der Programmgestaltung des DWIH Sao Paulo mit. Sie bündeln ihr Wissen und ihre Kompetenzen. Gleichzeitig profitieren sie von Veranstaltungen wie dem Innovationskongress: Hier können die Teilnehmer intensiv erleben, wie vital und innovativ die brasilianische Innovationslandschaft ist, vor allem die Start-up Szene.

Welche Bedeutung und welches Potenzial hat die Teilnahme des DWIH am Wettbewerb wie Startups Connected?

Wissenschaftliche Start-ups erhalten durch die DWIH eine besondere Aufmerksamkeit, weil sie wichtige Elemente in einem Innovationsökosystem sind. Start-ups leisten den unmittelbaren Transfer von Forschungswissen in die Wertschöpfungsketten. In diesem Bereich – des Technologietransfers, der Gründungsförderung und der Wissensverwertung – können wir in der internationalen Kooperation sehr viel voneinander lernen. Dem in der Kategorie „Germany“ ausgewählten Start-up finanziert das DWIH São Paulo ein einwöchiges Programm mit vielen Einblicken, zum Beispiel in brasilianische Forschungseinrichtungen und Technologieparks. Der Gewinner erhält auf diese Weise einen gut einsetzbaren Zugang in einen neuen Markt und kann sich zugleich zum Thema Gründung und Forschungstransfer in einem internationalen Rahmen austauschen.

Wie würde Ihrer Meinung nach das Potenzial von Innovation, Wissenschaft und Start-ups in Rahmen der Arbeit der DWIH aussehen?

Wir erleben nicht nur hier in São Paulo sondern im gesamten DWIH-Netzwerk ein wachsendes Interesse an dem Stichwort Inkubation, also wie man die Übertragung von Forschungswissen in Anwendungen und Produkte unterstützen kann. Deshalb greifen wir das Thema auch an anderen Standorten mit Veranstaltungsformaten auf, zum Beispiel in Neu-Delhi und Moskau, und möchten dies in Zukunft noch verstärken. Eine relevante Zielgruppe sind dabei Nachwuchswissenschaftler mit innovativen Ideen, die wir stärker für das Thema Gründung in internationalen Kontexten sensibilisieren möchten.

Wie wichtig ist Ihrer Meinung nach die Arbeit der DWIH für die Gesellschaft und den Fortschritt der Wissenschaft?

 Lösungswege zu den großen globalen Zukunftsfragen lassen sich nur in internationaler Kooperation finden. Die DWIH schaffen eine Voraussetzung für einen internationalen und interdisziplinären Austausch zu diesen Fragen. Dabei ist es ihnen ein Anliegen, dass Forschungswissen einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich gemacht wird. Das ist umso wichtiger je stärker die Freiheit der Wissenschaft unter Druck gerät und sich eine generelle Forschungsskepsis breit macht. Mit den DWIH möchten wir auch für die Freiheit der Wissenschaft werben und den internationalen Austausch von Forschungsergebnissen stärken.

Von Ana Paula Katz Calegari