Brasilien und Deutschland unterzeichnen sechs Absichtserklärungen: „Neues Kapitel in der Forschungszusammenarbeit“
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Die Bundesministerin für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR), Dorothee Bär, und Luís Manuel Rebelo Fernandes, Staatssekretär des brasilianischen Ministeriums für Wissenschaft, Technologie und Innovation (MCTI), haben am 20. April sechs Absichtserklärungen unterzeichnet. Ziel ist eine engere Kooperation in den Zukunftsfeldern Klima, Energie, Raumfahrt, Meeresforschung, kritische Rohstoffe und Quantentechnologie. Für Ministerin Bär markieren die Ankündigungen „ein neues Kapitel in der Forschungszusammenarbeit“ zwischen Brasilianern und Deutschen.
Die Unterzeichnung der Erklärungen fand im Rahmen der hochrangigen deutsch-brasilianischen Regierungskonsultationen statt. Bei diesem Treffen kündigten der brasilianische Präsident Luiz Inácio Lula da Silva und Bundeskanzler Friedrich Merz eine Vertiefung der Strategischen Partnerschaft zwischen beiden Ländern an. Die vollständige Liste der Absichtserklärungen ist auf der Website der Bundesregierung abrufbar.
Die diesjährigen Konsultationen fanden in Hannover statt – dem Austragungsort der weltgrößten Industriemesse, der Hannover Messe 2026, bei der Brasilien in diesem Jahr als Partnerland auftritt. Die Messe war zudem Schauplatz der Deutsch-Brasilianischen Wirtschaftstage, die bereits am 19. April mit Reden von Präsident Lula und Bundeskanzler Merz eröffnet wurden.
Absichtserklärungen
„Deutschland und Brasilien beginnen heute ein neues Kapitel in der Forschungszusammenarbeit“, betonte Ministerin Bär anlässlich der Unterzeichnung. Mit den sechs Absichtserklärungen zeige man, dass Wissenschaft und Forschung im Zentrum der bilateralen Beziehungen stünden. Bereits im Februar dieses Jahres hatte die Ministerin bei einem Besuch in Brasilien den Grundstein für die erweiterte Partnerschaft gelegt. „Um Mammutaufgaben wie die Energiewende oder den Ausbau der Meeresforschung anzugehen, sucht Deutschland gemeinsam mit internationalen Partnern wissenschaftliche Antworten. Und Deutschland gewinnt einen wichtigen Partner bei der Umsetzung der Hightech Agenda Deutschland“, so Bär weiter.
Brasilien und Deutschland blicken in der Wissenschafts- und Technologiekooperation auf eine lange, erfolgreiche Historie zurück. Ein Leuchtturmprojekt dieser Partnerschaft ist das Amazon Tall Tower Observatory (ATTO) im Amazonasgebiet, das essenzielle meteorologische Daten für die weltweite Erforschung des Klimawandels liefert.
Die sechs neuen Absichtserklärungen sollen die bisherige erfolgreiche Kooperation auf weitere strategische Themenfelder ausweiten. Die Schwerpunkte im Überblick:
1. Klima
Beide Länder wollen ihre wissenschaftliche Zusammenarbeit in der Klimaforschung deutlich intensivieren. Im Fokus steht dabei die Ausweitung der Forschung zu den komplexen Wechselwirkungen zwischen der Atmosphäre und zentralen Ökosystemen wie dem Amazonas-Regenwald und der Cerrado-Savanne.
2. Energie
Mit einem klaren Bekenntnis zu Innovation und Nachhaltigkeit ebnen beide Staaten den Weg für den künftigen Aufbau eines bilateralen Energie-Innovationszentrums in Brasilien. Ein Kernpunkt der Erklärung ist die Produktion von kohlenstoffarmem Wasserstoff (grüner Wasserstoff) sowie dessen Weiterverarbeitung zu höherwertigen Derivaten wie Methanol, Dimethylether, nachhaltigen Flugkraftstoffen (SAF) und Ammoniak.
3. Raumfahrt
Ziel ist es, die bestehende Zusammenarbeit im Raumfahrtsektor auszubauen und eine verlässliche Basis für gemeinsame Satellitenmissionen zu schaffen. Damit sollen nicht nur wissenschaftlich-technologische Meilensteine gesetzt, sondern auch die strategische Partnerschaft im All langfristig gesichert werden.
4. Meeresforschung
Im Rahmen der UN-Ozeandekade konzentriert sich diese Erklärung auf drängende Themen wie den Ozean-Klima-Nexus, Meeresbeobachtung, Klimaresilienz, eine nachhaltige „Blue Economy“ (blaue Wirtschaft) sowie die Reduzierung von Plastikmüll in den Weltmeeren. Die Forschungskooperation sowie die gemeinsame Nutzung und Entwicklung von Infrastrukturen beider Länder sollen weiter vertieft werden.
5. Kritische Rohstoffe
Angesichts der Tatsache, dass Brasilien über einige der weltweit größten Vorkommen an Seltenen Erden verfügt, sieht das Abkommen eine verstärkte Zusammenarbeit bei der Erforschung und Entwicklung kritischer Mineralien vor. Dies ist ein entscheidender Baustein für die Hightech Agenda Deutschland und ist untrennbar an ein Bekenntnis zu einer ökologisch und klimatisch verantwortungsvollen Bergbaupraxis geknüpft.
6. Quantenforschung
Deutschland und Brasilien streben den Aufbau eines leistungsfähigen, offenen und inklusiven Quantenökosystems an. Basis hierfür sind gemeinsame Werte wie Wissenschaftsfreiheit, Chancengleichheit und Open Science. Neben der Förderung multidisziplinärer Forschung und der gemeinsamen Nutzung von Infrastrukturen und Daten liegt ein besonderes Augenmerk auf der Schaffung verlässlicher Rahmenbedingungen für Liefermärkte sowie der Aus- und Weiterbildung von Nachwuchstalenten.