Austausch auf Spitzenniveau: Inhaber des CAPES Brazil Chair in Münster stärken die akademische Kooperation
© Brazil Centre/Uni Münster
In der historischen Altstadt von Münster, direkt vor dem Denkmal des Kiepenkerls, trafen sich an einem Donnerstagnachmittag Ende 2025 drei renommierte brasilianische Forschende in weihnachtlicher Atmosphäre. Prof. Dr. José Carlos Vaz (Universität São Paulo – USP), Prof. Dr. Ana Larissa Marciotto Oliveira (Bundesuniversität von Minas Gerais – UFMG) und Prof. Dr. Daniel Villela (Oswaldo-Cruz-Stiftung – Fiocruz) nutzten den Rahmen des Weihnachtsmarktes für einen intensiven Erfahrungsaustausch. Die drei Wissenschaftler verbindet eine besondere Aufgabe: Sie sind aktuelle Inhaber des Brazil Chairs an der Universität Münster, ein Programm, das vom Brasilien-Zentrum der Universität koordinierte und von der brasilianischen Förderagentur CAPES finanziert wird.
Prof. Dr. Vaz, der seit 2024 als Gastprofessor am Institut für Politikwissenschaft bei Prof. Dr. Norbert Kersting forscht, ist der dienstälteste Inhaber in dieser Runde und steht kurz vor dem Abschluss seines dritten Aufenthalts. Zu den zentralen Ergebnissen seiner Zeit in Münster gehört eine Webinar-Reihe über die Zukunft der Online-Partizipation in Smart Cities. Diese Initiative schlug eine Brücke zwischen Lateinamerika und Europa und befasste sich mit Themen wie künstlicher Intelligenz, technologischer Dominanz und digitaler Teilhabe. Daraus resultierte unter anderem das Policy Brief „Künstliche Intelligenz für Partizipation“.
Prof. Dr. Oliveira wiederum ist als Gastprofessorin am Institut für Kommunikationswissenschaft tätig, wo sie von Prof. Dr. Julia Metag betreut wird. Sie widmet sich in Münster der Untersuchung der „neuen Grenzen des Sagbaren im politischen Diskurs“ und analysiert Konfliktsprache als Herausforderung für pluralistische Gesellschaften.
Der jüngste Neuzugang der Gruppe, Prof. Dr. Daniel Villela von der Fiocruz, begann seinen Aufenthalt im Jahr 2025. Er wird an der Universität Münster gleich von zwei Gastgebern unterstützt: Prof. Dr. Bernd Hellingrath (Institut für Wirtschaftsinformatik) und Prof. Dr. André Karch (Institut für Epidemiologie und Sozialmedizin). Sein Forschungsschwerpunkt liegt auf der Modellierung der Dynamik von Infektionskrankheiten für das epidemiologische Management, wobei er eng mit dem Interdisziplinären Zentrum für Modellierung von Infektionskrankheiten (IMMIDD) zusammenarbeitet.
Über fachliche Grenzen hinweg
Neben ihrer Herkunft eint die Professoren das Ziel, die Zusammenarbeit zwischen Brasilien und Münster nachhaltig zu festigen. Im Dialog betonten sie die Bedeutung von Interdisziplinarität und den Aufbau langfristiger institutioneller Brücken. Prof. Dr. Oliveira hob hervor, dass der Aufenthalt weit über den reinen Wissensaustausch hinausgehe: „Es ist eine echte Chance zur Interaktion und zur Bildung strategischer Partnerschaften.“
Angesichts des gesellschaftlichen Wandels und des Aufstiegs der KI unterstrich Prof. Dr. Vaz den Mehrwert interdisziplinärer Ansätze. „Der Lehrstuhl ist eine Investition, die sich durch Interdisziplinarität vervielfacht“, so der Forscher. Der Austausch mit Kollegen aus anderen Regionen erlaube neue Perspektiven, die für den wissenschaftlichen Fortschritt in neuen Trendbereichen unerlässlich seien.
Auch Prof. Dr. Villela sieht großes Potenzial in der Bündelung verschiedener Forschungsprofile, wie sie etwa im IMMIDD praktiziert wird. Für ihn bietet die exzellente Vernetzung innerhalb der Forschungsgruppen in Münster eine optimale Basis für eine langfristige Kooperation zwischen der Universität Münster und brasilianischen Institutionen wie der Fiocruz.
Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses
Ein zentrales Anliegen der Lehrstuhlinhaber ist die Einbindung von Nachwuchswissenschaftlern. Das Programm ermöglicht es, junge brasilianische Forscher in die Teams der Cátedra zu integrieren. Laut Prof. Dr. Vaz bietet dies dem wissenschaftlichen Nachwuchs die Chance, sich in einem internationalen Netzwerk zu etablieren und wertvolle Kontakte zu knüpfen. Dieser organische Ansatz sichere die Nachhaltigkeit der Forschungsergebnisse.
Prof. Dr. Oliveira bestätigte dies und verwies auf das E-Book „Digitale Sprache, Gender und Demokratie in Brasilien“. Dieses Werk sei ein direktes Produkt der Zusammenarbeit mit den Nachwuchsforschenden ihres Teams. Sowohl für Vaz als auch für Oliveira haben diese Publikationen – vom E-Book bis zum Policy Brief – eine klare soziale Funktion: Sie sollen wissenschaftliche Erkenntnisse für eine breitere, nicht spezialisierte Öffentlichkeit zugänglich machen und so den gesellschaftlichen Diskurs bereichern.
(*) Quelle: Brasilien-Zentrum der Universität Münster