Künstliche Intelligenz und Hightech als Schlüssel: Experten fordern mehr Wissenschaft bei der Wiederherstellung von Ökosystemen

© DWIH São Paulo

Investitionen in Wissenschaft und Technologie sind entscheidend, um die Wirkung der Wiederherstellung von Ökosystemen zu maximieren. So lautet das Fazit von Fachleuten, die Anfang Oktober auf dem Seminar „Restoration at the Crossroads: linking global and urban ecosystem recovery for a climate-resilient future“ in Rio de Janeiro zusammenkamen. Die zentrale Herausforderung bestehe darin, die Wiederherstellung qualitativ hochwertig zu skalieren und dabei Doppelarbeit zu vermeiden.

Die Veranstaltung war eine von vier, die vom Deutschen Wissenschafts- und Innovationshaus (DWIH) São Paulo und seinen Kooperationspartnern im Vorfeld der UN-Klimakonferenz 2025 (COP30) mitorganisiert wurden, die im November in Belém stattfinden soll. Katharina Fourier, Direktorin des DWIH São Paulo und des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD) in Brasilien, betonte die Bedeutung der Debatte nur wenige Wochen vor dem Gipfel. „Das DWIH São Paulo versteht sich als Brückenbauer, der Räume für Wissenschaftler und Experten schafft, um fundiertes, evidenzbasiertes Wissen mit politischen Entscheidungsprozessen zu verbinden. Diese Veranstaltung ist ein perfektes Beispiel dafür“, erklärte sie.

Das Seminar, das einen zweitägigen Workshop abschloss, wurde vom International Institute for Sustainability (IIS) Rio und der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung (SGN), einem Mitglied der Leibniz-Gemeinschaft, mit Unterstützung der Päpstlichen Katholischen Universität von Rio de Janeiro (PUC-Rio) organisiert. Ziel war es, die Wiederherstellung von Ökosystemen – also menschliche Eingriffe zur Sanierung zerstörter oder geschädigter Gebiete – aus verschiedenen Perspektiven zu beleuchten.

Wissenschaft und Technologie

Wie sehr fortschrittliche Technologien die Effizienz von Wiederherstellungsprojekten steigern können, demonstrierte Bernardo Strassburg, Professor an der PUC-Rio und Direktor für Wissenschaft und Innovation am IIS. Er präsentierte, wie ein vom IIS genutztes Werkzeug der Künstlichen Intelligenz (KI) das Potenzial hat, die Effizienz von Wiederherstellungsprojekten zu steigern und zu erheblichen Einsparungen zu führen.

„Ansätze, die fortschrittlichere Technologien nutzen, können den Nutzen verdreifachen und die Kosten sogar halbieren. In einem Beispiel des IIS zur Wiederherstellung einer Fläche von 5 Millionen Hektar haben wir erste KI- und Machine-Learning-Tools angewendet und gezeigt, dass wir die Wiederherstellung bis zu achtmal kosteneffektiver gestalten können. Wiederholt man diese Übung im globalen Maßstab, könnten wir eine bis zu 13-fache Effizienzsteigerung erreichen, wenn wir uns auf prioritäre Gebiete konzentrieren“, berichtete er.

Künstliche Intelligenz ist auch die Methode, die von Conservation International (CI) Brasilien eingesetzt wird, wie Viviane Figueiredo, Managerin für Landschafts- und Waldrestaurierung der Organisation, erläuterte. Laut Figueiredo verfolgt CI einen dreifachen Ansatz, um die Wirkung zu maximieren: Pilotprojekte, Unterstützung von Privatunternehmen und die Zusammenarbeit mit Regierungen. Ergänzend hilft die KI-Plattform der Organisation, Ciera, bei der Identifizierung von Prioritätsgebieten mit von Experten validierten Informationen. „Ciera ist wie ein Chat. Neben einer Karte befindet sich das Konversationsfeld, in dem der Nutzer Fragen zur Wiederherstellung seines Gebiets stellt, und die Plattform liefert den Inhalt. Ciera sucht in der Fachliteratur oder in den von uns eingegebenen Informationen. Sie ist also vollkommen sicher: Sie generiert keine Falschinformationen, wie es bei KI manchmal vorkommt“, sagte sie.

Ein kritischer Punkt

Die deutsche Forscherin Jessica Hexer von der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung argumentierte, dass es zwei unterschiedliche Vorstellungen von Skalierung gibt: eine bezogen auf die Auflösung, die den Detaillierungsgrad einer Messung beschreibt, und eine andere bezogen auf das Ausmaß, das die Größe des wiederherzustellenden Gebiets beschreibt. Die größte Herausforderung sei die umgekehrte Beziehung zwischen den beiden Konzepten: Je größer das Ausmaß, desto geringer die Auflösung.

Für sie zeigt die Anwendung technologischer Modelle, dass man sich an einem „kritischen Punkt“ der Wiederherstellung von Ökosystemen befinde, da der Klimawandel die idealen Wachstumsgebiete für Pflanzen verschieben werde. „Ich glaube, dies ist wirklich die Gelegenheit, eine langfristige Resilienz des Systems zu gewährleisten. Wir können vorbereitet sein und eine kleine Garantie haben, dass das, was wir jetzt tun, auch in Zukunft Bestand hat oder sogar besser funktioniert.“

Aidin Niamir, Head of International Science-Policy Unit bei SGN, bekräftigte, dass Wiederherstellung nicht nur eine wissenschaftliche oder technische Frage sei, sondern eine Brücke, die Politik, Disziplinen und Gesellschaften verbindet. „Während Brasilien sich der COP30 nähert, wird die Wiederherstellung sicherlich zu einem der bestimmenden Themen werden – eines, das über die Klimaentwicklung hinausgeht, greifbare Ergebnisse vor Ort ermöglicht und zugleich Natur, Menschen und nachhaltige Entwicklung verbindet. Der nächste Schritt ist, diese Ideen in die Tat umzusetzen, konkrete Initiativen zu entwickeln, die sichtbare Ergebnisse vor Ort bringen und die internationale Zusammenarbeit stärken“, so Niamir.

Entwicklungsfaktor Wiederherstellung

Die Wiederherstellung von Ökosystemen hat auch positive wirtschaftliche Effekte, muss aber zu einer nationalen Agenda werden, die Regierungen und Zivilgesellschaft einbezieht.

„Wir verstehen heute, dass Wiederherstellung nicht nur ein Faktor für die ökologische, sondern auch für die wirtschaftliche Entwicklung ist. Sie schafft Inklusion und hat eine transformative Kraft für das Leben lokaler Gemeinschaften. Es entstehen Arbeitsplätze in der gesamten Kette, nicht nur für Sammler, sondern auch für die damit verbundenen Dienstleistungen“, sagte Thiago Belote, Direktor der Abteilung für Wälder im brasilianischen Ministerium für Umwelt und Klimawandel. „Wiederherstellung als Entwicklungsagenda ist das Motto, das wir in die Diskussionen einbringen müssen, um eine strukturierte Politik zu schaffen.“

In die gleiche Kerbe schlug Mariana Oliveira, Direktorin für Wälder und Landnutzung am World Resources Institute (WRI) Brasilien. Sie forderte, die Wiederherstellung als formale Wirtschaftstätigkeit anzuerkennen, um die gesamte beteiligte Wertschöpfungskette zu professionalisieren. „Wenn wir die Wiederherstellung als Wirtschaftssektor, als Entwicklungsagenda für unser Land wollen, müssen wir das klarstellen. Wie sollen wir das tun, wenn wir die Wiederherstellungstechniker nicht innerhalb einer neuen nachhaltigen Wirtschaft anerkennen?“, fragte sie.

Text: Rafael Targino