Smart Cities: Technologie im Einsatz gegen Klimawandel in den Städten

© Felipe Mairowski

Nach Prognosen der Vereinten Nationen (UNO) wird der Anteil der in Großstädten lebenden Weltbevölkerung im Jahr 2050 voraussichtlich 70% erreichen, was die Städte besonders im Hinblick auf Ressourcen, Infrastruktur und Wohnraum unter enormen Druck setzt. Ohne Planung und wirkliches Verständnis der Probleme werden die Städte zu einem Schmelztiegel sozialer und ökologischer Probleme.

Experten messen dem Einsatz von mehr Technologie und Planung entscheidende Bedeutung zu, damit Stadtverwaltungen eine bessere Qualität der öffentlichen Dienstleistungen erzielen können. Um die Debatte zu diesem Thema anzuregen, präsentierte die Podiumsdiskussion „Smart Cities: Mobility and Innovation” im Rahmen des 9. Deutsch-Brasilianischen Dialogs über Wissenschaft, Forschung und Innovation den Fall des nachhaltigen Campus der Landesuniversität Campinas (Unicamp).

Das Projekt unter der Leitung von Luiz Carlos Pereira da Silva, Koordinator des Unicamp-Departments für Spezialprojekte, wurde 2017 in Zusammenarbeit mit einem Privatunternehmen aus dem Elektrizitätssektor, CPFL, ins Leben gerufen. „Ziel des Projekts war es, Energieeffizienz auf dem Unicamp-Universitätscampus (in Campinas) mithilfe derInternet-of-Things-Technologie zu erreichen, die Geräte miteinander verbindet und Daten von Sensoren, die mit dem Internet verbunden sind, erfasst”, erklärte Silva.

Das Projekt war so erfolgreich – die jährlichen Ausgaben der Universität für öffentliche Beleuchtung wurden von 1,5 Mio. Reais auf 500.000 Reais reduziert –, dass das Projekt ausgeweitet wurde. „Zusätzlich zur Beleuchtung des ersten Projekts gibt es heute eine Kommunikationsinfrastruktur zwischen Sensoren in den Gebäuden und Bussen, die auf dem Campus zirkulieren, und wir hoffen, bald über eine 5G-Technologie zu verfügen, um die Analyse dieser Daten zu optimieren”, betonte der Projektleiter. Silva wies auch darauf hin, dass das Modell des nachhaltigen Campus bereits in anderen Einheiten der Universität in den Städten Limeira und Piracicaba angewendet wird.

Ambitioniertere Ziele

In Deutschland gibt es eine intensive gesellschaftliche Debatte darüber, wie Energieeffizienz mithilfe sauberer Energiequellen erreicht werden kann. Vor kurzem wurde nach einer Entscheidung des deutschen Obersten Gerichtshofs die Gesetzgebung zum Schutz des Klimawandels zugunsten ambitionierterer Ziele geändert.  Deutschland wird voraussichtlich bis 2045 die CO2-Emissionen auf Null senken und die Emissionswerte bis 2030 um 65% im Vergleich zu 1990 reduzieren.

„Die Schaffung dieser Bedingungen für nachhaltigere und intelligentere Städte wird eine Herausforderung für alle produktiven Sektoren sein, insbesondere im Elektrizitätsbereich”, betonte Andreas Löschel vom Lehrstuhl für Energie- und Ressourcenökonomik an der Universität Münster (WWU). Im Gegensatz zu Brasilien, wo 84% der Energiematrix aus sauberen Quellen stammen, sind in Deutschland nur 40% der intern erzeugten Energie erneuerbar, und weitere 45% der im Land erzeugten Energie stammen aus der Verbrennung fossiler Brennstoffe, dem großen Bösewicht bei der Emission von Schadstoffen in die Atmosphäre.

Aus diesem Grunde sei es unabdingbar, dass Deutschland auch in die urbane Mobilität investieren und den Einsatz von Zügen, Fahrrädern und Elektroautos zur Reduzierung des CO2-Ausstoßes fördern muss. Aber wie kann man die Gesellschaft für dieses Projekt mobilisieren?

„Wir brauchen die richtigen wirtschaftlichen Anreize, um den Menschen die besten Entscheidungen für die Nachhaltigkeit des Planeten zu ermöglichen”, glaubt der Professor. Löschel verwies auf das deutsche Gesetz, das den Kauf von Autos mit hohem Kraftstoffverbrauch besteuert und gleichzeitig eine künftige Steuerbefreiung für Elektrofahrzeuge vorsieht. Darüber hinaus, so der Experte, erfordere dieser Kampf immer noch eine gewisse Änderung der sozialen Gewohnheiten, die durch den Austausch von Informationen gewonnen werden könne.