Umweltpolitik sollte soziale Bedürfnisse berücksichtigen

© Felipe Mairowski

Bei der Ausarbeitung einer nachhaltigen Politik muss besonders auf die sozialen Bedürfnisse eingegangen werden. Dazu zählt insbesondere die Einbeziehung der am meisten gefährdeten Gruppen, damit die gesamte Gesellschaft zur Klimaschutzagenda beiträgt. Das war das Hauptargument der Diskussionsteilnehmer zum Thema “Climate Urban Governance, Climate Change and Society”, des Deutsch-Brasilianischen Dialog über Wissenschaft, Forschung und Innovation.

„Es gibt einige Herausforderungen auf der Klimawandelagenda. Dazu gehört die Suche nach der Vernetzung von Städten innerhalb der regionalen und globalen Politik, betonte Patrícia Pinho, Forscherin der USP sowie Gesprächsleiterin des Dialogs. Darüberhinaus beendete Pinho ihre Einführung mit folgender Frage: „Wie werden Städte mit diesen Veränderungen im Kontext sozialer Vulnerabilität umgehen“?

Die Titularprofessorin für Soziologie der Landesuniversität Campinas (Unicamp) und Mitglied des wissenschaftlichen Ausschusses der Veranstaltung, Leila da Costa Ferreira, denkt dass die Politik zur Problemminderung die unterschiedlichsten sozialen Akteure einbeziehen sollte: „Die Richtlinien diskutieren in verschiedenen Ebenen, zwischen Sektoren und verschiedenen Interessengruppen. Dieser Dialog zwischen verschiedenen sozialen Gruppen hat das Potenzial die Wissensgrenze zu diesem Thema zu erweitern“.

In ihrem Vortrag hob Ferreira auch Daten zur Emission von Treibhausgasen (THG) in Brasilien hervor. Die Landnutzung und -besetzung machen 46,12% der Treibhausemissionen aus, gefolgt von der Landwirtschaft mit 23,92% und der Energieerzeugung mit 20,79%.

 

Urbane Experimente

Der „Bottom-Up“ Beitrag, entstanden aus populären und lokalen Massnahmen zur Verbesserung der klimatischen Bedingungen, ist weltweit gewachsen. Die Professorin Anita Engels der Universität Hamburg ging beispielsweise auf die Erfahrungen der Stadtteile Lockstedt in Hamburg und Itaim Paulista in São Paulo ein. Die Dozentin hob hervor, dass es an beiden Orten städtische Labore gibt in denen Experimente gemeinsam mit der Stadtverwaltung durchgeführt werden. „Ich denke es ist ein sehr interessantes Umfeld, in dem sich Wissenschaft und Politik sistematisch vereinen um Ideen auszutauschen“, fügte die Professorin hinzu.

Engels stellte auch das Konzept vertikaler- (mit vielen Gebäuden) und horizontaler Städte (mit Gebäuden weniger Stockwerke) vor. Laut ihr treten in horizontalen Städten kaum Wärmeinseln auf. Das kann dabei helfen das Auftreten von sindflutartigen Regenfällen zu verringern; und auh die Vertikalisierung, vorausgesetzt dass beim Bau von Gebäuden die nachhaltigen Techniken eingehalten werden.

“Die grösste Herausforderung für die Steuerung des Klimawandels besteht darin den Vorrang der kollektiven Rechte gegenüber der individuellen Rechte wiederherzustellen, einschliesslich des difussen Rechts neugeborener Generationen“, sagte Roberto Guimarães, Vorstandsvorsitzender der Initiative für Gleichheit (IfE).

In seiner Rede verteidigt Guimarães auch die Besteuerung von Reichtum als Ressourcenquelle für die Umsetzung der Sozial- und Umweltpolitik. Der Präsident der IfE erwähnte den Plan des derzeitigen Präsidenten der Vereinigten Staaten, Joe Biden. Er zielt darauf ab Steuern von den Reichsten und den grossen Kooperationen zu erheben, um ein ehrgeiziges Reformprogramm zu finanzieren.

Laut Guimarães hätte Brasilien theoretisch genug Einkommen um sie auf die Sozial – und Umweltprogramme umzuverteilen, wenn es eine Steuererhöhung auf Finanzdienstleistungen gäbe. „Es gibt keinen Ausweg aus dem Klimawandel, wenn wir uns nicht mit den Prozessen von Armut, sozialem Umfeld und Gleichstellung befassen“, schloss er seine Rede ab.