Die Bedeutung der Wissenschaft als Grundlage für politische Maßnahmen

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Pionier bei der Erforschung der Klimaauswirkungen auf die brasilianische Biodiversität spricht über Anpassungsmaßnahmen als Mittel zur Bewältigung der Folgen des Klimawandels

Überschwemmungen, Hitzewellen, Dürren, Vergeudung von Kraftstoffen und Zunahme der Anzahl von Atemwegserkrankungen. Dies sind nur einige der negativen Auswirkungen der auf der Erde stattfindenden Klimaveränderungen, die Professor Marcos Buckeridge, Direktor des Instituts für Biowissenschaften an der Universität von São Paulo (USP) und Koordinator des USP- Forschungsprogramms Global Cities, azufzählt. Der in der Wissenschaftskreisen als Pionier im Hinblick auf die Erforschung der Auswirkungen des Temperaturanstiegs auf die brasilianische Biodiversität geltende Biologe setzt sich für Anpassungsmaßnahmen ein, um „die Verschärfung der Folgen extremer Naturereignisse” zu vermeiden.

„Der weltweite Klimawandel hat klare Ursachen: die Zunahme des CO2 -Gehalts in der Atmosphäre sowie der damit verbundene Temperaturanstieg und die Zunahme von Dürren und extremen Regenfällen”, erläutert Buckeridge. Für den Biologen, Mitglied des wissenschaftlichen Komitees des 9. Deutsch-Brasilianischen Dialogs über Wissenschaft, Forschung und Innovation sowie Keynote-Speaker derselben Veranstaltung, steigen die Temperaturen weltweit chronisch an. Dem jüngsten Bericht des Weltklimarats (IPCC) zufolge werden die im Rahmen des Pariser Abkommens gegebenen Zusagen ausreichen, um die globale Erwärmung auf 2 °C zu begrenzen.

„Die Stadt São Paulo beispielsweise verzeichnet heute einen durchschnittlichen Temperaturanstieg von drei Grad im Vergleich zu 1960, was unter anderem zu subtilen Auswirkungen wie der Verdunstung von Kraftstoffen führt”, nennt Buckeride einen selten berücksichtigten Punkt. Nach Ansicht des Biologen sind die starken Regenfälle in den Hauptstädten von São Paulo und Minas Gerais im Jahr 2020 ein klares Beispiel für extreme Naturereignisse, die auf den Anstieg der Durchschnittstemperatur zurückzuführen sind.

„Es ist schwierig, solche Klimaereignisse abzumildern, aber es ist möglich, nach Alternativen zu suchen, um ihre negativen Auswirkungen zu verringern”, glaubt der Wissenschaftler. Geeignete Maßnahmen seien zum Beispiel, Menschen aus Gebieten mit hohem Erdrutschrisiko zu entfernen, sich um die Ansammlung von Müll auf den Straßen zu kümmern und Grünflächen in Städten zu erhalten.

Auswirkungen von klimatischen Ereignissen auf die Gesundheit

All diese „Extremereignisse“ wirken sich nicht nur auf das Leben der Städte aus, sondern auch auf ihre Bewohner. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) schätzt, dass als Folge des Klimawandels zwischen 2030 und 2050 jährlich 250.000 Menschen an Malaria, Durchfall, extremer Hitze und Unterernährung sterben werden.

Nach Ansicht des Keynote-Speakers des 9. Deutsch-Brasilianischen Dialogs haben beispielsweise Hitzewellen das Potenzial, Menschen zu töten, insbesondere die ganz alten und die ganz jungen. „Bei der Gestaltung öffentlicher Maßnahmen zum Umgang mit dem Klimawandel muss berücksichtigt werden, dass Dürre zur Verbreitung von Atemwegserkrankungen beitragen kann. Darüber hinaus kann extreme Hitze bei Neugeborenen und älteren Menschen zum Tod führen”, erläutert Buckeridge.

Es sei wichtig, die öffentliche Agenda zur Bekämpfung von Klimaeffekten auf einer wissenschaftlichen Methodik aufzubauen. „Politiker und Bevölkerung müssen bei der politischen Gestaltung wissenschaftliche Lösungen übernehmen.”

Der Biologe glaubt, dass der Dialog zwischen den politischen Institutionen ebenfalls bei der Durchführung von Anpassungsmaßnahmen an die neue Klimarealität hilft: „Um auf die negativen Auswirkungen des Klimawandels wie extreme Regenfälle und Überschwemmungen reagieren zu können, ist der Austausch zwischen den verschiedenen Machtebenen – Bund, Länder und Kommunen – ein wichtiger Aspekt.” Buckeridge weist darauf hin, dass dieser Austausch wichtig ist, da eine allein vom Bund getroffene Entscheidung zu diesem Thema in Städten, insbesondere in kleinen Gemeinden, möglicherweise nicht die gewünschte Wirkung erzielt.

Die Teilnahme an der Veranstaltung, die vom 17. bis 20. Mai jeweils von 15 bis 18 Uhr (in Deutschland) bzw. von 9 bis 13 Uhr (in Brasilien) stattfindet, ist kostenlos. Interessenten sollten sich unter dem Link https://bit.ly/2P3fUx4 registrieren. Weitere Informationen zu Themen und Referenten finden Sie auf der Landingpage der Veranstaltung.

„Null-Abfall-Städte”

Marcos Buckeridge argumentiert, dass wir alle bei der Anpassung an den Klimawandel Verantwortung übernehmen müssen – insbesondere im Hinblick auf die Vergeudung von Nahrungsmitteln.

„Die Vergeudung beginnt bereits während der Ernte auf dem Feld, dann beim Transport der Lebensmittel und später in unseren Haushalten. All dies führt am Ende zu einer Verringerung der städtischen Nachhaltigkeit,” betont der Wissenschaftler.

Buckeridge weist darauf hin, dass in jedem städtischen System Materialien wie Lebensmittel, importierte Produkte und Rohstoffe verarbeitet werden, die von außerhalb der Stadt stammen: „Dieser ganze Prozess produziert Abfall. Der Grad der städtischen Nachhaltigkeit ist umgekehrt proportional zu der Menge an Wasser und Energie, die zur Verarbeitung dieser Materialien verwendet wird.”

Eine Stadt werde zunehmend nachhaltiger, wenn die Verarbeitung dieser Materialien ein Recycling-System beinhalte, bei dem geringe oder gar keine Abfälle übrig blieben. „Der einzige Weg, die Entwicklung einer Stadt zu schützen, besteht darin, ihr Nachhaltigkeitsniveau maximal zu steigern”, bekräftigt Buckeridge.