Botschaft in Berlin will die brasilianische WT&I-Diaspora in Deutschland vernetzen

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Pedro Ivo Ferraz da Silva übernahm im September 2020 die Leitung der Wissenschafts-, Technologie- und Innovationsabteilung an der brasilianischen Botschaft in Berlin. Mit 20 Jahren Berufserfahrung und fast neunjähriger Tätigkeit am Itamaraty (Auswärtiges Amt Brasiliens) erzählt uns der Diplomat ein wenig über seine Pläne, der brasilianischen Wissenschaft in Deutschland mehr Sichtbarkeit zu verleihen sowie den wissenschaftlichen und technologischen Austausch zwischen beiden Ländern zu fördern.

Bei dieser Initiative wird das DWIH São Paulo als strategischen Partner gesehen. Mit mehreren für das Jahr 2021 geplanten Maßnahmen, darunter das erste Treffen der brasilianischen Diaspora für Wissenschaft und Innovation in Deutschland, möchte der Diplomat die Annäherung der brasilianischen Wissenschaftsgemeinschaft in Deutschland an brasilianischen Institutionen fördern. Ferraz da Silva ist davon überzeugt, dass es im Hinblick auf den Wissensaustausch zwischen den beiden Ländern viel zu tun gibt und dass das DWIH São Paulo eine wichtige Rolle bei dieser Mission spielen kann. „Ich denke, es gibt Möglichkeiten der Zusammenarbeit zwischen dem DWIH São Paulo und der Botschaft, sowohl bei der Förderung des Austauschs von Wissenschaftlern als auch bei gemeinsamen Veranstaltungen. Schließlich arbeiten wir mit derselben Zielsetzung: die Beziehungen zwischen Brasilien und Deutschland zu vertiefen“, bekräftigt der Auslandsvertreter.

Die Beziehung zu Deutschland begann früh im Leben des brasilianischen Diplomaten. Schon als Kind lebte er eine Zeit lang in diesem Land. Mit einem Diplom in Elektrotechnik an der Universität von São Paulo (USP) kehrte er nach München zurück und arbeitete dort als Ingenieur bei Siemens. Im Itamaraty ist er seit 2012 im wissenschaftlich-technologischen Bereich tätig. In Brasilia arbeitete er drei Jahre lang in der Abteilung Informationsgesellschaft, in der er sich mit Themen wie Internet Governance, digitale Wirtschaft und digitale Rechte befasste. Seine Laufbahn an Auslandsbotschaften begann kurz darauf mit der ersten Mission
in Neu-Delhi, wo er vier Jahre blieb. Zu seinen in Indien gewonnenen Erfahrungen gehört das Beispiel für ein erfolgreiches Diaspora-Netzwerk: „Indien hat seine Diaspora gut genutzt. Die indische IT-Branche war nur aufgrund der Aktivitäten der indischen Diaspora hauptsächlich in den USA und in Großbritannien so erfolgreich. Sie ist ein großes strategisches Kapital für die Länder.“

Brasilien und Deutschland

Wie der Diplomat, der seit 2020 in Berlin tätig ist, weiter ausführt, gibt es viel zu tun, um der brasilianischen Wissenschaft in Deutschland zu mehr Sichtbarkeit zu verhelfen. Die Botschaft möchte eine ungefähre Vorstellung von der Größe der brasilianischen Wissenschaftsgemeinschaft im Land gewinnen, und ausgehend von diesem Wissen die Schaffung eines besser strukturierten Netzwerks von Fachleuten, Forschern und Wissenschaftlern vorantreiben. Laut Ferraz da Silva besteht die Idee darin, mit der Unterstützung und der Struktur der Botschaft den Austausch anzuregen und Treffen zu organisieren, die Gestaltung dieses Netzwerks müsse allerdings auf organische Weise erfolgen. „Das Netzwerk hat ein größeres Potenzial, eine lange Lebensdauer zu haben sowie mehr Menschen zu erfassen und anzuregen, wenn es organisch geschaffen und von den brasilianischen Wissenschaftlern selbst geleitet wird – den Menschen, die dieser Diaspora angehören.“

Die brasilianische Botschaft in Berlin plant, dieses Netzwerk von Wissenschaftlern uneingeschränkt zu unterstützen, bei ihrem Institutionalisierungsprozess mitzuhelfen, den Kontakt der brasilianische Wissenschafts- und Technologiegemeinschaft mit deutschen Institutionen zu fördern und bei der Suche nach Ressourcen und Ausrüstung behilflich zu sein. Die Initiative, so der Diplomat, ziele außerdem darauf ab, diese in Deutschland lebenden Brasilianer näher an brasilianische Forschungseinrichtungen heranzuführen. Dies bedeute, dass Forschungseinrichtungen in Brasilien auf Brasilianer in Deutschland, die in bestimmten Forschungsbereichen Führungspositionen innehaben, aufmerksam werden könnten. „Und diese Brasilianer könnten eventuell den Weg für eine Zusammenarbeit zwischen Deutschland und Brasilien ebnen.“

Wie groß ist die brasilianische Diaspora in Deutschland?

Derzeit gibt es keine konkreten Daten über die Tätigkeit brasilianischer Wissenschaftler im Land, was Ferraz da Silva als positiv ansieht: „Ich denke, es ist natürlich und bis zu einem gewissen Grad zu begrüßen, dass diese Beziehungen zwischen Brasilianern und den Institutionen hier auf direktem Weg stattfinden, ohne dass sich die brasilianische Regierung einschaltet.“ Er halte es jedoch für wichtig, die Verbindung zwischen den in Deutschland lebenden brasilianischen Wissenschaftlern, Forschern und Akademikern zu fördern, damit diese mit brasilianischen Institutionen zusammenarbeiten und deren wissenschaftlich- technologische Kapazitäten erweitern können: „Und wir alle wissen, dass man heute nichts erreicht, ohne die Internationalisierung und die Verbindung zum Ausland mit einzubeziehen,“ bekräftigt der Diplomat.

Zusammenarbeit mit dem DWIH

Der Leiter für Wissenschaft, Technologie und Innovation an der brasilianischen Botschaft in Berlin ist der Ansicht, dass sowohl die brasilianische Regierung als auch das DWIH São Paulo ein gemeinsames Interesse daran haben, die Zusammenarbeit zwischen Brasilien und Deutschland zu fördern und zu erleichtern. „Das DWIH arbeitet auf der Grundlage des deutschen Interesses. Und ich von der brasilianischen Botschaft vertrete brasilianische Interessen. In bestimmten Bereichen treffen und ergänzen sich diese Interessen, und das wollen wir gemeinsam ausnutzen“, erläutert Ferraz da Silva. Die Zusammenarbeit mit DWIH São Paulo habe einen positiven Einfluss auf die für 2021 gesteckten Ziele auf diesem Gebiet, insbesondere im Hinblick auf die Organisation und Verbreitung von Veranstaltungen. Das erste Event dieser Art, das 1. Treffen der brasilianischen Diaspora für Wissenschaft und Innovation in Deutschland, fand am 25. Februar 2021 statt. Die Idee hinter der Veranstaltung und die gesamte Strategie der Mobilisierung der Diaspora besteht darin, das bei vielen noch bestehende negative Bild der „Talentflucht“ zu beseitigen. „Es herrscht immer noch die sehr negative Ansicht vor, dass Brasilien in die Ausbildung seiner Wissenschaftler investiert, und diese dann ins Ausland gehen. Wir möchten eine positive und strategische Sichtweise im Hinblick auf die Diaspora fördern und die Kompetenz dieser Menschen in den Institutionen, in denen sie tätig sind, hervorheben, Partnerschaften mit Brasilien zu entwickeln, um dem Land die Unterstützung zurückzugeben, die ihnen selbst gewährt wurde,“ betont derBotschaftsvertreter.

Laut Ferraz da Silva herrscht ein großer Wissensmangel über brasilianische Wissenschaftler oder die Bereiche, in denen Brasilien Spitzenforschung betreibt. Im Rahmen der Strategie, die Wissenschaft des Landes auf deutschem Boden sichtbarer zu machen, würden Maßnahmen wie die Erleichterung der Teilnahme brasilianischer Wissenschaftler an Veranstaltungen in Deutschland – vor allem während der Berliner Wissenschaftswoche -, die Durchführung von Webinaren mit brasilianischen Wissenschaftlern über Partnerschaften mit deutschen Institutionen sowie der Austauschs zwischen deutschen und brasilianischen Startups gefördert.