Wertvolle Synergien erzielen

© DWIH São Paulo

Die fünf Deutschen Wissenschafts- und Innovationshäuser (DWIH) sind an strategischen Standorten weltweit vertreten: in New York, Tokyo, Neu-Delhi, Moskau und São Paulo. Ihre zentrale Geschäftsstelle haben sie in Bonn beim DAAD, der die Häuser als globales Netzwerk und Plattform der Begegnung weiterentwickelt. Warum es für deutsche Hochschulen so gewinnbringend ist, sich in diesen Häusern zu engagieren, erläutert Dr. Michael Harms, Direktor Kommunikation im DAAD.

Dr. Michael Harms, Direktor der Abteilung Kommunikation im DAAD

Globale Zukunftsfragen können nur in internationaler Kooperation und im Verbund aus Wissenschaft, Politik und Wirtschaft gelöst werden. Welche Funktion haben in diesem Zusammenhang die Deutschen Wissenschafts- und Innovationshäuser?

Die fünf Häuser in New York, Tokyo, Neu-Delhi, Moskau und São Paulo unterstützen deutsche Innovationsakteure und ihre Partner beim internationalen und interdisziplinären Austausch. Wissenschaftler können mit ihrer Hilfe nationale Grenzen überschreiten und bilaterale Wissenschaftskooperationen aufbauen. Um es zu verbildlichen: Sie fungieren wie ein Schaufenster für das deutsche Hochschul-, Wissenschafts- und Innovationssystem und bereiten den Nährboden für kommende Kooperationen.

Für Innovationsträger bietet die Zusammenarbeit mit den DWIH also einen deutlichen Mehrwert?

Genau. Für interessierte Nachwuchskräfte, Spitzenwissenschaftlerinnen und
-wissenschaftler, forschende Unternehmen, Universitäten, Fachhochschulen und außeruniversitäre Forschungseinrichtungen, ebenso für Mittler- und Förderorganisationen einschließlich Start-ups gilt gleichermaßen: Sie alle sollten die DWIH kennen und als Plattform für sich nutzen. Als DAAD, der die Deutschen Wissenschafts- und Innovationshäuser leitet, haben wir natürlich ganz besonders unsere Mitgliedshochschulen im Fokus. Wir wollen ihnen einen Eindruck davon vermitteln, wie lohnenswert ein Engagement in einem der Häuser für sie sein kann. Die Zusammenarbeit der verschiedenen Akteure an der Schnittstelle von Wissenschaft und Wirtschaft macht die Häuser so besonders: Sie schaffen Zugang zu Netzwerken und Themen und eröffnen so neue Kooperationspotenziale.

Netzwerken auf Veranstaltungen: Klaus Juffernbruch (FOM Hochschule, Bildmitte) und Kazuhiro Sakurada (RIKEN MIH, rechts) während des Symposiums zur Künstlichen Intelligenz.

Wie können Hochschulen von einer Zusammenarbeit profitieren?

Wer sich engagiert, kann Programme, Veranstaltungen etc. mitgestalten oder gemeinsam mit anderen Akteuren vor Ort Veranstaltungen durchführen, für die die DWIH je nach Standort zum Beispiel Räumlichkeiten zur Verfügung stellen oder auch kleine Zuschüsse geben können. Beim Engagement unterscheiden wir zwischen Hauptunterstützern und assoziierten Unterstützern. Hat eine Hochschule oder Forschungseinrichtung bereits eine Repräsentanz zum Beispiel in São Paulo, kann sie Hauptunterstützer des DWIH in São Paulo werden. Ist sie noch nicht vor Ort, kann sie als assoziierter Unterstützer mitarbeiten. Voraussetzung ist ein ernsthaftes Interesse an einer zukünftigen Repräsentanz oder einer dauerhaften, substanziellen Zusammenarbeit.

Was machen die DWIH konkret?

Die DWIH kümmern sich in Deutschland und im jeweiligen Sitzland um vier Punkte: Sichtbarkeit erhöhen, Wissen vermitteln, Beratung anbieten und Vernetzung ermöglichen. Nehmen wir das Beispiel Tokyo: Dort hat das DWIH 20 Unterstützer, davon sind sieben Universitäten. Indem das DWIH die Präsenz von allen 20 Unterstützern bündelt und für einen gemeinschaftlichen Auftritt sorgt, werden sie in Japan viel sichtbarer, als wenn eine Universität alleine vor Ort agieren würde. 2018 hat das DWIH in Japan ein sehr erfolgreiches Symposium zum Thema Künstliche Intelligenz veranstaltet. Eine einzelne deutsche Forschungseinrichtung vor Ort hätte eine Veranstaltung in dieser Dimension nicht organisieren können.

In puncto Wissen arbeiten alle Häuser in beide Richtungen: Sie vermitteln das Wissen aus dem Sitzland an die Interessenten in Deutschland und umgekehrt. Dabei haben sie im Blick, wo welche Experten sitzen und welche Netzwerke diese wiederum haben. Beraten heißt, einen Mehrwert für denjenigen zu schaffen, der mit seinem Anliegen auf das DWIH zugeht. Ein Nachwuchswissenschaftler aus der angewandten Forschung hat zum Beispiel andere Fragen und Interessen als einer aus der geisteswissenschaftlichen Forschung. Die DWIH vermitteln Kontakte, die zum jeweiligen Forschungsthema passen, da sie gebündelt die verschiedenen Ansprechpartner für geeignete Kooperationen haben.

Für Vernetzung zu sorgen klingt zunächst trivial, aber tatsächlich existierten lange Zeit Repräsentanzen deutscher Einrichtungen in den Sitzländern, ohne Kontakt zueinander zu haben oder manchmal sogar ohne Wissen voneinander. Durch die DWIH können sie jetzt ihr Auslandsengagement besser aufeinander abstimmen und wertvolle Synergien erzielen.

Die Science Circle Lectures „Monsoon Forecast under Climate Change“ und „New Insights and Hot Topics from Climate Science“ wurden beim Indo-German-Dialogue in Neu-Delhi mit Referenten des renommierten Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK) bestritten. Professor Stefan Rahmstorf (links) und Johan Rockström vom PIK hier in der Diskussion mit DWIH-Direktorin Heike Mock

Die lokalen Rahmenbedingungen sind das A und O, damit sich Kooperationen entfalten. Wie sorgen die DWIH dafür, dass lokale Themen gehört werden?

Dafür sorgt die organisatorische Struktur der DWIH mit ihren drei Gremien: dem Kuratorium, dem Programmausschuss und den Beiräten. Das Kuratorium definiert die großen strategischen Ziele, setzt die Leitplanken und gibt Impulse. Der Programmausschuss als Arbeitsebene berät bei der Umsetzung der Ziele vor Ort. Ganz wichtig aus der Sicht unserer Unterstützer sind die Beiräte. Sie sind das lokale Gremium im Sitzland. Jeder Unterstützer hat hier eine Stimme. Damit ist gewährleistet, dass die Themen, die lokal wichtig sind, auch besprochen werden und in einem Bottom-up-Prozess in den Programmausschuss und das Kuratorium hineingetragen werden.

Neben den DWIH, die der DAAD leitet, gibt es auch die DAAD-Außenstellen. Überschneiden sich hier Tätigkeiten?

Nein, ganz und gar nicht. Die Außenstellen haben einen anderen Auftrag. Sie verantworten das gesamte Programmportfolio des DAAD im Sitzland und kümmern sich beispielsweise um die Auswahl von Studierenden für Stipendienprogramme, sie unterstützen die deutschen Hochschulen bei Kooperationsprojekten mit Universitäten im Gastland und halten Kontakt zu den staatlichen Ansprechpartnern für die wissenschaftliche Zusammenarbeit. Aber wir schaffen wertvolle Synergien zwischen den Außenstellen und den DWIH, indem wir die zusätzlichen Netzwerke und Kontakte auch der Partner nutzen können. Über die Aktivitäten des DWIH eröffnen sich für den DAAD auch neue Handlungsfelder, wie etwa im Bereich der Künstlichen Intelligenz in Japan, von der ich vorhin sprach.

DWIH Tokyo: Das erste Japanisch-Deutsch-Französische DWIH-Symposium im vergangenen November zum Thema Künstliche Intelligenz war für alle Teilnehmer ein großer Erfolg

Warum eignet sich der DAAD für die Leitung der DWIH?

Zum einen bringt der DAAD eine jahrelange Erfahrung in der internationalen wissenschaftlichen Zusammenarbeit mit. Wir unterhalten schon seit mehreren Jahrzehnten Auslandsbüros in aller Welt. Diese Regionalexpertise kommt den DWIH zugute. Als Mitgliederorganisation der deutschen Hochschulen und ihrer Studierendenschaften nutzen wir unser Netzwerk innerhalb Deutschlands intensiv, um die DWIH auch hier bekannter zu machen. Das reicht von gemeinsamen Veranstaltungen mit der Hochschulrektorenkonferenz, über den DAAD-Marketingkongress bis hin zu Standortbesuchen von Hochschulen, z. B. bei deren Lateinamerikatag etc.

Wie gestaltet sich die Zusammenarbeit bei den DWIH?

Ein Blick auf die Zahlen zeigt, wie gut die Interaktion zwischen den Unterstützern und den DWIH ist: Im letzten Jahr hatten wir 96 Veranstaltungen, allein 37 davon haben die Unterstützer durchgeführt. Auch die stetig zunehmende Zahl der Unterstützer verdeutlicht die gewachsene Bedeutung der DWIH: Es gibt mittlerweile insgesamt circa 100 Unterstützer an den fünf Standorten aus den Bereichen Wissenschaft, Wirtschaft und Politik. 2018 haben wir 14 neue Haupt- und assoziierte Unterstützer gewonnen und in der ersten Hälfte dieses Jahres bereits zehn.

Was bedeutet diese positive Entwicklung für die Zukunft der DWIH?

Zunächst einmal freuen wir uns, dass es uns gemeinsam mit unseren Partnern gelungen ist, nach der Neuausrichtung 2017 erfolgreiche Arbeit abzuliefern. Es werden immer wieder Wünsche nach weiteren Deutschen Häusern für Wissenschaft und Innovation geäußert. Ich kann mir gut vorstellen, dass es eine Ausweitung des Netzwerks über die fünf existierenden Standorte hinaus geben kann. Dafür sind freilich zusätzliche Ressourcen notwendig. Wenn es gelingt, diese auch einzuwerben, werden wir in Zukunft vielleicht die Eröffnung neuer DWIH erleben.


Interview: Astrid Hopp (23. Juli 2019)
Quelle: DAAD.de

AUF EINEN BLICK

Deutsche Wissenschafts- und Innovationshäuser (DWIH)

  • Fünf Innovationsforen an fünf bedeutenden Standorten in der Welt
  • eine gemeinsam von Politik, Wirtschaft und Wissenschaft getragene Initiative
  • rund 100 Unterstützer weltweit
  • Management und Gesamtverantwortung durch den DAAD in Bonn