One Health: Interdisziplinäre Lösungen und Kooperation sind notwendig – aber mit lokalem Blick
© DWIH São Paulo
Die Planung und Umsetzung von Maßnahmen, die Gesundheit ganzheitlich betrachten – und dabei nicht nur den Menschen, sondern auch Tierwelt und Umwelt einbeziehen –, erfordert die Bündelung verschiedener Disziplinen sowie eine transnationale Zusammenarbeit, die lokale Faktoren berücksichtigt. Der Workshop „One Health: Approaching Global Health Challenges“, der vom 10. bis 14. November in Vitória stattfand, brachte brasilianische und deutsche Experten zusammen, um den Ansatz „One Health“ zu diskutieren, und bot eine Plattform, um von den Erfahrungen beider Länder zu lernen.
Der Begriff „One Health“ („Eine Gesundheit“) impliziert eine holistische Sichtweise: Er erkennt an, dass die Gesundheit von Menschen Tieren, Pflanzen und dem Planeten untrennbar miteinander verbunden ist und als Einheit betrachtet werden muss. Pandemien wie COVID-19 und der Ausbruch von Krankheiten tierischen Ursprungs verdeutlichen die Relevanz dieses Ansatzes, der auf globaler Ebene umgesetzt werden muss.

„Wir brauchen internationale und globale Zusammenarbeit, weil wir in einem globalen Dorf leben. In 24 Stunden erreicht man viele Orte dieser Welt. Wenn eine vulnerable Person, die eine Infektion in sich trägt, in ein anderes Land reist, entsteht ein Übertragungsweg. Die dortige anfällige Bevölkerung kann unter der Ausbreitung dieser Krankheit leiden. Das ist hier in Brasilien mit dem Zika-Virus passiert“, mahnte Rachel Vicente, Professorin an der Bundesuniversität von Espírito Santo (UFES) und eine der Leiterinnen der Veranstaltung, neben Professorin Raquel Baroni von derselben Universität.
Organisiert wurde der Workshop von der UFES, der Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU), der Universität Heidelberg und dem Deutschen Wissenschafts- und Innovationshaus (DWIH) São Paulo. Das Programm umfasste zwei Phasen: ein öffentliches Eröffnungsseminar, gefolgt von vier Tagen mit praktischen Übungen zur Stärkung der Kompetenzen im Bereich „One Health“, sowie eine Sondersession über Forschungsmöglichkeiten im Ausland, insbesondere in Deutschland. Programmreferentin Silke Bell vertrat das DWIH São Paulo, dessen Jahresthema 2025 passenderweise „Globale Gesundheit“ lautet.
Globales Thema, lokale Perspektive
Auf globaler Ebene widmen sich vier Institutionen dem Thema „One Health“: die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO), das Umweltprogramm der Vereinten Nationen (UNEP), die Weltgesundheitsorganisation (WHO) und die Weltorganisation für Tiergesundheit (WOAH). Ein Beratungsgremium – das High Level Expert Panel on One Health (OHHLEP) – unterstützt dieses „Quadripartite“-Bündnis politisch und wissenschaftlich bei der Definition von Richtlinien und Programmen.
Ausbildung und Information seien im Paradigma von „One Health“ von grundlegender Bedeutung, erklärte Natiela Beatriz de Oliveira, Beraterin im brasilianischen Gesundheitsministerium. „Was ist ‚One Health‘? Es bedeutet, sich zusammenzusetzen und es gemeinsam zu tun. Nur das. Es ist eine offensichtliche Strategie, die aber niemand umzusetzen vermag. Ein Beispiel: Im Falle einer Abholzung, wenn wir etwas von einer Kommune verlangen, sagt der Verantwortliche so etwas wie: ‚Sie müssen mit jemandem aus einem anderen Sektor sprechen, aus dem Umweltsektor‘. Aber versteht diese Person, was vor sich geht? Wurde sie sensibilisiert, um das [in einem globalen Sinne] zu verstehen?“, fragte sie.

Professor Fabian Jacobs vom Institut für Didaktik und Ausbildungsforschung in der Medizin am Klinikum der LMU München präsentierte die an seiner Institution angewandte Bildungsstrategie: „Train-the-Trainer“. Hinter dem Modell steht die Idee, „Change Agents“ – beispielsweise Forschende und Lehreinrichtungen – zu befähigen, die ihrerseits den Ansatz „One Health“ verbreiten. Das Projekt „One Health Target“ unterhält dabei Partnerschaften mit dem Globalen Süden.
„Die Change Agents versuchen in ihren Institutionen, lokale Formen des Trainings, der Lehre und der Forschung zu implementieren. Wir bieten diesen Akteuren zum Beispiel ein Doktorandenprogramm an, und nach ihrem Abschluss führen sie an ihren Lehranstalten Kurzzeittrainings durch, damit neue Teilnehmer an kompakteren Kursen teilnehmen können“, erläuterte er.

Olaf Horstick, Professor am Universitätsklinikum Heidelberg und Berater für „One Health“, unterstrich seinerseits die Notwendigkeit einer lokalen Perspektive für Lösungen im Bereich „One Health“. Er betonte, dass Projekte in diesem Bereich Finanzierung benötigen – und dass Brasilien das Potenzial habe, hier eine Rolle einzunehmen. „Lokale Lösungen für lokale Bedürfnisse für die lokale Bevölkerung. Und Brasilien zum Beispiel ist kein armes Land, oder? Es ist ein reiches Land. Es sind Mittel vorhanden, um aktiv zu werden, wenn ihr dies mit den Nachbarländern tun wollt. Es ist nicht möglich, über One-Health-Konzepte nachzudenken, wenn man nicht beispielsweise zoonotische Risiken gemeinsam mit Kollegen in Uruguay oder Paraguay diskutiert“, so Horstick.
Text: Rafael Targino