Universitäten

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Die Universitäten, insbesondere die öffentlichen, fördern kontinuierlich Forschungsgruppen und -linien, an denen, unter der Leitung der Professoren, Doktoranden sowie Master- und Bachelorstudenten im Rahmen eines wissenschaftlichen Einführungsprogramms teilnehmen. Erfahren Sie mir über das Panorama und die Aktivitäten der brasilianischen Universitäten in den Bereichen  Forschung und Innovation.  

Das heute in Brasilien existierende Hochschulsystem ist umfassend und dezentralisiert. Insgesamt verfügt das Land über 2.608 Hochschuleinrichtungen in allen Landesteilen, in denen insgesamt 40.427 Studiengänge angeboten werden. Die Zahlen stammen aus dem Zensus über Hochschulbildung 2019 des brasilianischen Bildungsministeriums (Ministério da Educação – MEC) sowie aus einer Veröffentlichung des Nationalen Anísio-Teixeira-Instituts für Bildungsstudien und
-forschung (Instituto Nacional de Estudos e Pesquisas Educacionais Anísio Teixeira –INEP) im Oktober 2020.

Entsprechend ihrer akademischen Struktur gehören zu diesen Einrichtungen öffentliche oder private Universitäten, Universitätszentren, Hochschulen und staatliche Institute auf Bundes-, Landes- und Gemeindeebene.

In den Universitäten sind Bildungs-, Forschungs- und Weiterbildungsaktivitäten untrennbar miteinander verbunden. Es handelt sich um multidisziplinäre akademische Einrichtungen, in denen institutionalisiertes intellektuelles Wissen entwickelt wird. Dazu müssen einige Vorgaben des MEC erfüllt werden – ein Drittel des Lehrkörpers muss einer Vollzeitbeschäftigung nachgehen, und ein Drittel muss aus Mastern und Doktoren bestehen.

Die Universitätszentren können sich einem Fachgebiet widmen oder mehrere Wissensbereiche umfassen, die Durchführung institutionalisierter Forschung ist aber nicht ausdrücklich vorgeschrieben. In den Hochschulen beschränken sich die angebotenen Studiengänge auf nur ein Wissensgebiet, sie sind oftmals Universitäten und Universitätszentren angegliedert, können aber auch unabhängig sein.
Staatliche Institute widmen sich der technischen und berufsorientierten Ausbildung in verschiedenen Fachgebieten. Sie bieten eine integrierte fachliche und technische Bildung, technische Kurse, Technologiestudiengänge sowie Bachelor- und Masterabschlüsse.

Private Institutionen können gewinnorientiert arbeiten, aber auch gemeinnützige und philanthropische Ziele verfolgen oder einen konfessionellen Hintergrund besitzen.
Inep-Zahlen vom August 2017 zufolge gibt es in Brasilien 296 öffentliche Bildungsinstitutionen und 2.152 Privateinrichtungen.

Heute gibt es in allen 27 brasilianischen Bundesländern Universitäten auf Bundes- oder Landesebene. Dabei sollte man nicht vergessen, dass Brasilien bis zu Beginn des 19. Jahrhunderts über keine einzige Hochschuleinrichtung verfügte. Nach der Unabhängigkeit entstanden vereinzelt Hochschulen ohne Universitätsstatus und Berufsorientierung für die Fachgebiete Jura, Medizin und Ingenieurwesen. Die Universität São Paulo, heute eine der wichtigsten des Landes, wurde beispielsweise erst 1934 gegründet.

Zahlen und Statistiken

Die Zahl der Universitätsstudierenden ist in Brasilien nach der Einführung des Prouni  – ein Programm des Bildungsministeriums, das Stipendien im Hochschulbereich an brasilianische Studierende vergibt – deutlich gestiegen. Dabei handelt es sich um Voll- oder Halbstipendien an privaten Hochschulen, darunter Grundlagen-Studiengängen oder fachspezifische Aufbaustudien.

Aus dem vom Nationalen Institut für Bildungsstudien und Forschung Anísio Teixeira (Inep) veröffentlichten Hochschulzensus 2019 geht hervor, dass die Zahl der Einschreibungen in privaten Einrichtungen stabil bleibt. Darüber hinaus zeigt der Zensus, dass private Hochschulen 88,4 % des gesamten Hochschulnetzes ausmachen. Von Bedeutung ist außerdem, dass 79,6 % der 2.608 Hochschuleinrichtungen in Brasilien Fakultäten sind. Unter dem nachfolgenden Link sind alle Zahlen und Statistiken im Zusammenhang mit dem letzten Hochschulzensus gelistet: https://download.inep.gov.br/educacao_superior/censo_superior/documentos/2020/Apresentacao_Censo_da_Educacao_Superior_2019.pdf.

Rankings

Laut der Auswertung des QS World University Ranking 2022 verfügt Brasilien über die höchste Anzahl in Lateinamerika an weltweit renommierten Universitäten. Unter den besten Universitäten Lateinamerikas erscheint Brasilien mit drei Hochschuleinrichtungen unter den Top 10: die Universität São Paulo (USP), die Landesuniversität Campinas (Unicamp) und die Bundesuniversität Rio de Janeiro (UFRJ).

In der letzten Ausgabe des Rankings wurden insgesamt 27 brasilianische Bildungseinrichtungen aufgenommen, fünf mehr als in der vorherigen Ausgabe. Trotz dieser Zunahme an anerkannten brasilianischen Universitäten gehört keine von ihnen zu den besten 100 der Welt.

Die USP erreichte mit Platz 121 die beste Platzierung, gefolgt von der Unicamp (219. Platz) und der UFRJ (369. Platz). Damit gehört die USP seit Jahren zu den ersten des Landes, verzeichnete aber einen leichten Rückgang im Vergleich zur letzten Ausgabe, als sie noch den 115. Platz der Rangliste belegte.

Die Institutionen werden anhand von sechs Indikatoren bewertet: akademischer Status, Reputation in Bezug auf die Beschäftigungsfähigkeit, Anzahl viel zitierter Wissenschaftler der Universität, Proportion zwischen Studierenden und Professor*innen sowie der Anteil internationaler Dozent*innen und Studierenden.

In dem im September 2021 veröffentlichten Ranking des englischen Magazins Times Higher Education (THE) für 2022 erscheint die USP als beste lateinamerikanische Universität auf der gleichen Position wie im vergangenen Jahr in der Gruppe 201-250. Die zweitbeste brasilianische Universität im Ranking ist die Unicamp in der Gruppe 401-500. Insgesamt werden 70 brasilianische Universitäten im Ranking aufgeführt, welches 1.662 Universitäten aus der ganzen Welt umfasst.

Laut dem Shanghai Ranking 2021 (Academic Ranking of World Universities – ARWU) gehört die USP als beste Universität Brasiliens zur Gruppe 101-200. Die Bundesuniversität Rio Grande do Sul (UFRGS) liegt gemeinsam mit der Landesuniversität São Paulo (Unesp) und der Landesuniversität Campinas (Unicamp) auf dem zweiten Platz in der Gruppe 301-400.

Dieses Ranking basiert auf sechs Parametern, darunter die Zahl der Nobelpreise und Fields-Medaillen, die Zahl der Forschungsarbeiten in Erstpublikationen und die Anzahl viel zitierter Wissenschaftler der jeweiligen Universität in ihren Fachgebieten.

Laut dem brasilianischen Universitäts-Ranking Folha (RUF) 2019 belegte die USP mit 98,02 Punkten den ersten und die Unicamp mit 97,09 Punkten den zweiten Platz. Die nächsten acht Plätze belegten folgende Institutionen: UFRJ (97,00), UFMG (96,72), UFRGS (95,68), Unesp (92,67), UFSC (92,58), UFPR (92,02), UnB (91,21) und UFPE (89,77).

Dieses jährlich von der Zeitung Folha de S. Paulo durchgeführte Ranking umfasst 197 Universitäten in Brasilien und berücksichtigt Indikatoren für Lehre, Markt, Forschung, Internationalisierung und Innovation.