Universitäten

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Die Universitäten, insbesondere die öffentlichen, fördern kontinuierlich Forschungsgruppen und -linien, an denen, unter der Leitung der Professoren, Doktoranden sowie Master- und Bachelorstudenten im Rahmen eines wissenschaftlichen Einführungsprogramms teilnehmen. Erfahren Sie mir über das Panorama und die Aktivitäten der brasilianischen Universitäten in den Bereichen  Forschung und Innovation.  

Das heute in Brasilien existierende Hochschulbildungssystem ist umfassend und dezentralisiert. Insgesamt verfügt das Land über 2.448 Hochschuleinrichtungen in allen Landesteilen, in denen insgesamt 35.380 Studiengänge angeboten werden. Die Zahlen stammen aus dem Zensus über Hochschulbildung 2017 des brasilianischen Bildungsministeriums (Ministério da Educação – MEC) sowie aus einer Veröffentlichung des Nationalen Anísio-Teixeira-Instituts für Bildungsstudien und -forschung (Instituto Nacional de Estudos e Pesquisas Educacionais Anísio Teixeira – Inep) vom 3. Oktober 2018.

Entsprechend ihrer akademischen Struktur gehören zu diesen Einrichtungen öffentliche oder private Universitäten, Universitätszentren, Hochschulen und staatliche Institute auf Bundes-, Landes- und Gemeindeebene.

In den Universitäten sind Bildungs-, Forschungs- und Weiterbildungsaktivitäten untrennbar miteinander verbunden. Es handelt sich um multidisziplinäre akademische Einrichtungen, in denen institutionalisiertes intellektuelles Wissen entwickelt wird. Dazu müssen einige Vorgaben des MEC erfüllt werden – ein Drittel des Lehrkörpers muss einer Vollzeitbeschäftigung nachgehen, und ein Drittel muss aus Mastern und Doktoren bestehen.

Die Universitätszentren können sich einem Fachgebiet widmen oder mehrere Wissensbereiche umfassen, die Durchführung institutionalisierter Forschung ist aber nicht ausdrücklich vorgeschrieben. In den Hochschulen beschränken sich die angebotenen Studiengänge auf nur ein Wissensgebiet, sie sind oftmals Universitäten und Universitätszentren angegliedert, können aber auch unabhängig sein.
Staatliche Institute widmen sich der technischen und berufsorientierten Ausbildung in verschiedenen Fachgebieten. Sie bieten eine integrierte fachliche und technische Bildung, technische Kurse, Technologiestudiengänge sowie Bachelor- und Masterabschlüsse.

Private Institutionen können gewinnorientiert arbeiten, aber auch gemeinnützige und philanthropische Ziele verfolgen oder einen konfessionellen Hintergrund besitzen.
Inep-Zahlen vom August 2017 zufolge gibt es in Brasilien 296 öffentliche Bildungsinstitutionen und 2.152 Privateinrichtungen.

Heute gibt es in allen 27 brasilianischen Bundesländern Universitäten auf Bundes- oder Landesebene. Dabei sollte man nicht vergessen, dass Brasilien bis zu Beginn des 19. Jahrhunderts über keine einzige Hochschuleinrichtung verfügte. Nach der Unabhängigkeit entstanden vereinzelt Hochschulen ohne Universitätsstatus und Berufsorientierung für die Fachgebiete Jura, Medizin und Ingenieurwesen. Die Universität São Paulo, heute eine der wichtigsten des Landes, wurde beispielsweise erst 1934 gegründet.

Zahlen und Statistiken

Die Anzahl der Universitätsstudenten in Brasilien erhöhte sich deutlich nach der Schaffung des Programms Prouni. Dieses Programm des Bildungsministeriums vergibt Stipendien in Hochschulinstitutionen für brasilianische Studenten. Dabei können diese Stipendien für verschiedene Studiengänge 100% oder 50% der Studienkosten an einer privaten Universität decken.

Der Zensus über Hochschulbildung 2017, der im Oktober 2018 von Inep veröffentlicht wurde, zeigt trotz der Wirtschaftskrise eine stabile Zahl der Anmeldungen an privaten Institutionen. Die Studie belegt außerdem, dass 87,9% der Hochschulbildungsinstitutionen private Einrichtungen sind. Eine weitere wichtige Zahl weist darauf hin, dass 82,5% der 2.448 Institutionen Hochschulen sind. Mehr über die Zahlen und Statistiken des letzten Zensus über Hochschulbildung hier.

Rankings

Das am 28. Februar 2018 veröffentlichte QS World University Ranking by Subject stuft die Universität São Paulo (USP) in 41 der 48 analysierten Fachgebieten unter den weltweit besten Institutionen ein. Zehn Fachbereiche kamen dabei auf einen der ersten 50 Ränge: Zahnmedizin (15.); Sportwissenschaften (20.); Kunst und Design (31.); Bergbau und Mineralien (33.); Land- und Forstwirtschaft (36.); Moderne Sprachen (42.); Anthropologie (46.); Tiermedizin (47.) und Jura (50.). In weiteren 21 Fachgebieten landete die USP auf den Plätzen 51 bis 100; in acht Bereichen kam sie unter die 150 besten Institutionen und in zwei Fachgebieten wurde sie als eine der 250 besten Universitäten eingestuft.

Die Fachgebiete wurden in fünf große, übergeordnete Bereiche zusammengefasst, und in allen diesen Gruppen konnte die USP ihre Position deutlich verbessern. In Kunst und Humanwissenschaften stieg sie vom 114. Rang im Jahr 2017 auf Platz 79 und auf dem Gebiet Ingenieurwesen und Technologie vom 177. auf den 142. Rang. In Lebenswissenschaften und Medizin verbesserte sie sich von Platz 129 auf Rang 96, in Naturwissenschaften von 155 auf 109 und in Sozialwissenschaften und Administration gelang ihr ein Sprung von Position 146 auf Platz 107.

Im Ranking QS World 2018 erscheint die USP unter den weltweit besten Universitäten auf dem 121. Rang. In den beiden Vorjahren hatte sie jeweils den 120. Platz belegt.

In der Rangliste der Times Higher Education (THE) von 2017 wird allerdings die Universität von Campinas (Unicamp) als beste Hochschuleinrichtung Lateinamerikas eingestuft. Die Institution ließ die noch im Vorjahr als beste Universität bewertete USP hinter sich – zum ersten Mal wurde die USP damit als beste Institution von einer anderen brasilianischen Universität in einem internationalen Ranking überholt. Unter den Top 10 Lateinamerikas platzierten sich außerdem drei weitere brasilianische Universitäten: die Staatliche Universität São Paulo (Universidade Federal de São Paulo – Unifesp) belegte Rang 7, die Staatliche Universität Rio de Janeiro (Universidade Federal do Rio de Janeiro – UFRJ) kam auf den 8. Platz, und die Päpstlich-Katholische Universität von Rio de Janeiro (Pontifícia Universidade Católica do Rio de Janeiro – PUC-Rio) landete auf Platz 9.

Brasilien konnte 18 Institutionen unter den ersten 50 Universitäten Lateinamerikas platzieren, was sonst keinem anderen Land gelang. Allerdings waren es 2016 noch 23 Einrichtungen gewesen. Insgesamt mussten 20 Universitäten Ränge einbüßen – was weniger auf eine schlechtere Punktzahl, sondern eher auf den Fortschritt der Universitäten anderer Ländern zurückzuführen ist. 32 der ersten 81 Universitäten dieser Liste sind brasilianische Institutionen.

Laut Shanghai-Ranking 2017 (Academic Ranking of World Universities – AWRU) erscheint die USP als beste brasilianische Universität in der Gruppe vom 151. bis zum 200. Rang. Die Landesuniversität São Paulo (Universidade Estadual de São Paulo – Unesp) und die UFRJ sind in der Gruppe 301 bis 400 eingestuft, das heißt, sie gehören dieser Liste zufolge zu den 400 besten Institutionen der Welt. Insgesamt wurden 1.300 Hochschuleinrichtungen bewertet, von denen eine Liste mit den ersten 500 veröffentlicht wurde.

In Südamerika konnte Brasilien seine Vormachtstellung behaupten. 11 Einrichtungen des Landes gehören zu den Top 500 der Welt und 18 zu den Top 800. Argentinien und Chile konnten gemeinsam nur sechs Universitäten unter den ersten 800 platzieren.

Diese Rangliste stützt sich auf sechs Parameter, darunter die Anzahl von Nobelpreisträgern sowie die Quantität der Veröffentlichungen von Forschungsarbeiten auf höchstem Niveau. Außerdem schlägt zu Buche, wie oft Forscher der jeweiligen Universität in Arbeiten ihres Fachgebiets zitiert werden.

Im landesweiten Ranking Universitário Folha (RUF) 2017 landete die UFRJ auf dem ersten mit 97,42 Punkten Platz, die Unicamp belegte mit 97,31 Punkten Platz 2 und die USP mit 97,24 Punkten Rang 3. Die anderen sieben Institutionen der Top 10 dieser Liste sind UFMG (96,81), UFRGS (95,86), UFSC (93,16), Unesp (93,15), UFPR (92,82), UnB (91,61) und UFSCar (90,92).

Die jährlich von der Zeitung Folha de São Paulo veröffentlichte Rangliste erfasst 195 brasilianische Universitäten und berücksichtigt dabei Kriterien wie Unterricht, Markt, Forschung, Internationalisierung und Innovation.