Forschungsinstitutionen

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Neben der auf Bundes-, Landes- und Kommunalebene betriebenen Forschung in öffentlichen und privaten Universitäten gibt es in Brasilien zahlreiche von Hochschuleinrichtungen unabhängige Institute sowie Forschungs- und Entwicklungszentren in Unternehmen, die sich der wissenschaftlichen und technologischen Forschung widmen. Im November 2008 wurden die Nationalen Wissenschafts- und Technologieinstitute (Institutos Nacionais de Ciência e Tecnologia – INCTs) ins Leben gerufen, die gemeinsam ein Netzwerk von Forschungsgruppen bilden.

In Brasilien gibt es zwar keine Verbände und Gemeinschaften von Forschungsinstituten nach deutschen Modell (Fraunhofer, Max Planck, Leibniz und Helmholtz), es existieren allerdings viele Institutionen, die sich für wissenschaftliche Entwicklung und Öffentlichkeitspolitik für Bildung, Wissenschaft, Technologie und Innovation einsetzen. Dazu gehören die Brasilianische Wissenschaftsakademie (Academia Brasileira de Ciências – ABC) und die Brasilianische Gesellschaft für den Wissenschaftlichen Fortschritt (Sociedade Brasileira para o Progresso da Ciência – SBPC).

Die ABC wurde 1916 gegründet und widmet sich Themen von größter Bedeutung für das Land mit dem Ziel, wissenschaftliche Grundlagen für die Formulierung politischer Maßnahmen zu liefern. Der Schwerpunkt liegt dabei auf der wissenschaftlichen Entwicklung des Landes, der Interaktion unter brasilianischen Forschern sowie der Vertiefung der Beziehungen dieser Forscher mit Kollegen aus anderen Ländern. Mehr über ABC.

Die SBPC ist eine gemeinnützige und politisch unabhängige Institution, die sich für die Förderung des wissenschaftlichen und technologischen Fortschritts sowie für die Weiterentwicklung von Bildung und Kultur in Brasilien einsetzt. Seit ihrer Gründung im Jahr 1948 hat die SBPC eine wichtige Rolle bei der Ausdehnung und Verbesserung des nationalen Wissenschafts- und Technologiesystems übernommen und sich der Verbreitung und Popularisierung der Wissenschaft im Land gewidmet, Mehr über SBPC.

Forschungsinstitute auf Bundesebene

Ein Großteil der nicht-universitären staatlichen Forschungseinrichtungen ist dem Ministerium für Wissenschaft Technologie, Innovation und Kommunikation (Ministério da Ciência, Tecnologia, Inovações e Comunicações – MCTIC) angegliedert, wie das nationale Technologieinstitut (Instituto Nacional de Tecnologia  – INT) in Rio de Janeiro oder das Nationale Forschungszentrum für Energie und Materialien (Centro Nacional de Pesquisa em Energia e Materiais – CNPEM) in Campinas (SP). Die Aktivitäten des INT konzentrieren sich auf die Gebiete Technische Analyse, Korrosion und Degradierung, Energie, Verfahrenstechnik und Materialanalyse. Dem CNPEM sind vier auf nationaler Ebene herausragende Forschungseinrichtungen angeschlossen: das Nationallabor Luz Síncroton (Laboratório Nacional de Luz Síncroton – LNLS), das Nationallabor für Biowissenschaften (Laboratório Nacional de Biociências  – LNBio), das Nationallabor für Wissenschaft und Technologie für Bioethanol (Laboratório Nacional de Ciência e Tecnologia do Bioetanol  – CTBE) und das Nationallabor für Nanotechnologie (Laboratório Nacional de Nanotecnologia – LNNano).

Weitere vom MCTIC getragene Forschungszentren sind das Nationalinstitut für Weltraumforschung (Instituto Nacional de Pesquisas Espaciais – Inpe), das Nationalinstitut für Reine und Angewandte Mathematik (Instituto Nacional de Matemática Pura e Aplicada – Inpa), das Zentrum für Technologiestrategien des Nordostens (Centro de Tecnologias Estratégicas do Nordeste – Cetene) und die Brasilianische Weltraumagentur (Agência Espacial Brasileira  – AEB).

Die beiden Institute für Angewandte Wirtschaftsforschung (Instituto de Pesquisa Econômica Aplicada – Ipea) in Brasília und Rio de Janeiro, die dem Präsidentschaftssekretariat für Strategische Angelegenheiten (Secretaria de Assuntos Estratégicos da Presidência da República) angeschlossen sind, heben sich durch ihre Wirtschaftsstudien hervor, die als Grundlage für staatliche Maßnehmen und öffentliche Politik herangezogen werden. Eine andere wichtige Quelle für Staatspolitik sind die Forschungsergebnisse des Brasilianischen Instituts für Geografie und Statistik (Instituto Brasileiro de Geografia e Estatística – IBGE) in Rio de Janeiro.

Zahlreiche Forschungsinstitutionen sind dem Verteidigungsministerium untergliedert, wie das Technologische Institut der Luftwaffe (Instituto Tecnológico da Aeronáutica – ITA) und das Militärinstitut für Ingenieurwesen (Instituto Militar de Engenharia – IME).

Das 1950 gegründete ITA mit Sitz in São José dos Campos (SP) ist eine öffentliche Universitätseinrichtung, die dem Luftwaffenkommando (Comando da Aeronáutica – COMAER) angegliedert ist und sich speziell der Wissenschaft und Technologie für die Luftfahrt widmet. ITA bietet Bachelor- und Masterstudiengänge im Ingenieurwesen an. Außerdem offeriert die Institution fünf Aufbaustudienprogramme, die in 22 Bereiche untergliedert sind: Maschinenbau und Luftfahrt, Elektro- und Computertechnik, Ingenieurwesen für Luftfahrtinfrastruktur, Physikwissenschaften und Weltraumtechnologie. Das ITA verfügt über eine umfassende Infrastruktur mit ausgezeichnete Forschungslaboratorien und fördert wissenschaftliche Einführungsprojekte auf den obengenannten Gebieten.

Das Militärische Institut für Ingenieurwesen (Instituto Militar de Engenharia – IME), steht unter der Führung der brasilianischen Armee und bietet Hochschulausbildung für Ingenieurwesen und Forschung unter anderem auf den Gebieten Elektrotechnik, Maschinenbau, Chemie und Kartographie an.

Auch andere Ministerien leiten wichtige brasilianische Forschungszentren, wie Embrapa (Landwirtschaft), Cenpes (Öl und Gas) und Cepel (Energie).

Forschungsinstitute auf Landesebene

Die brasilianischen Bundesländer verfügen ebenfalls über Forschungszentren, die in der Regel regionalen Zielsetzungen folgen. Das Land São Paulo, das praktisch für die Hälfte der wissenschaftlichen Produktion Brasiliens verantwortlich ist, besitzt das größte Netz an Forschungsinstitutionen, auch mit nationaler Referenz. Besonders hervorzuheben sind das Institut für Technologieforschung (Instituto de Pesquisas Tecnológicas – IPT) und das Butantan-Institut (Instituto Butantan – IB) für Immunbiologie, beide in der Stadt São Paulo, sowie das Institut für Lebensmitteltechnologie (Ital) in Campinas. In dieser Stadt befindet sich auch das Institut für Landwirtschaft (Instituto Agronômico – IAC), das schon seit mehr als 120 Jahren Forschung betreibt.

Nationale Wissenschafts- und Technologieinstitute

Das Programm Nationale Wissenschafts- und Technologieinstitute (Institutos Nacionais de Ciência e Tecnologia – INCT) hat zum Ziel, die besten Forschungsgruppen für strategische Bereiche zu aggregieren, um nachhaltige Entwicklung, Spitzentechnologie und Innovation im Land zu fördern und auf artikulierte Weise mit innovativen Unternehmen zusammenzuarbeiten. Diese Institute treiben die wissenschaftliche Grundlagenforschung voran, bilden junge Forscher aus und fördern die Installierung von Laboratorien in Hochschul- und Forschungsinstitutionen sowie in Unternehmen. Das Programm wird gemeinschaftlich von den Ministerien für Wissenschaft, Technologie, Innovation und Kommunikation (MCTIC), Bildung (MEC) und Gesundheit sowie von der Nationalen Entwicklungsbank (BNDES) betrieben.

Am 10. November 2016 unterzeichnete der damalige Präsident Michel Temer die Freigabe von R$ 328 Mio. für die Finanzierung von 101 INCTs mit 410 Laboratorien in allen 27 Bundesländern, an denen 8.738 Forscher tätig sind. Die größte Anzahl von INTC-Projekten entfällt dabei auf die Bundesländer São Paulo (33), Rio de Janeiro (19) und Minas Gerais (11).

Die Liste umfasst Gebiete wie Land- und Viehwirtschaft, Artenvielfalt, Energie, Nanotechnologie, Stadtentwicklung, Umweltfragen sowie Informations- und Kommunikationstechnologien. Allein im Gesundheitsbereich gibt es Forschungsgruppen für Gehirnkrankheiten, genetische und hormonelle Krankheiten, Krebs, Diabetes, vernachlässigte Krankheiten bzw. Tropenkrankheiten, Adipositas und Tuberkulose. Neben der Entwicklung von Impfstoffen und Medikamenten beschäftigen sich die INTCs auch mit vergleichender Genomik, Regenerationsmedizin, Stammzellenforschung, Psychiatrie und antimikrobiellen Substanzen.

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