Die Kommunistische Internationale – neue Archive, neue Erkenntnisse

Die Archive der Kommunistischen Internationale (und des Kommunismus im Allgemeinen) erweisen sich als wichtige heterogene Quellen für die politische, soziale und kulturelle Geschichte des 20. Jahrhunderts sowie die ihrer Akteure und erreichen somit den Rang eines Welterbes. Sie sind wie der Spiegel einer gesamten Ära, denn die Kommunistische Internationale war zu dieser Zeit die wichtigste internationale Nichtregierungsorganisation des Jahrhunderts.

Die Sammlungen umfassen die Geschichte der globalen Arbeiterbewegung in Hunderten von Ländern, die zugehörigen Organisationen, soziale, politische und kulturelle Bewegungen, Revolte, Revolutionen (wenn auch meist erfolglos), Streiks, Solidaritätsbewegungen gegen Ausbeutung, die Geschichte der Unterdrückung durch diktatorische Regime, die Biographien der Akteure, die verschiedenen Strategien und Theorien der Weltrevolution und die Praktiken in Europa, Asien, Afrika und Lateinamerika.

Die Phasen des revolutionären Rückschritts, des Aufkommens des Faschismus in Europa und sogar der Diktatur des Stalinismus in der Sowjetunion, die die Internationale bis zu ihrer Auflösung dominieren wird, sind besonders gut dokumentiert – wobei nicht nur die kommunistische Führung, sondern auch  regionalen Ebenen und das lokale Umfeld miteingeschlossen sind. Die sehr unterschiedlichen Sammlungen umfassen aus transnationaler Sicht Dokumente von kommunistischen und anderen politischen Parteien, transnationalen Solidaritätsorganisationen, sozialen, politischen und kulturellen Bewegungen sowie politischen Parteien.

Der Vortrag von Prof. Bernhard H. Bayerlein, Wissenschaftler am Institut für soziale Bewegungen (ISB) an der Ruhr-Universität Bochum und Redakteur des Online-Magazins „International Newsletter of Communist Studies“ gibt einen Überblick über die Situation und über die Recherchemöglichkeiten im Archiv. Das Projekt „Comintern online“, das von einem vom Europarat geförderten internationalen Konsortium zur Digitalisierung der Archive durchgeführt wird, wird insbesondere beleuchtet.

Die Öffnung dieser Archive hat in den letzten 20 Jahren die Geschichtsschreibung beeinflusst. Im Vortrag werden einige zentrale Ergebnisse der Geschichtswissenschaft, der Internationalen Beziehungen und der Erinnerungspolitik, neues und teilweise spektakuläres Wissen vorgestellt und gleichzeitig Lücken und Unzulänglichkeiten erklärt.

Informationen zur Veranstaltung

27. November 2019, 18:00 bis 20:00 Uhr

Auditório 9043, Universidade do Estado do Rio de Janeiro (UERJ)
Veranstalter: Prof. Dr. Hugo Rogélio Suppo, Coordenador do Núcleo de Estudos Internacionais Brasil-Argentina e do Programa de Pós-Graduação em Relações Internacionais da UERJ